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Wir haben von Anfang an ulns nicht vorgenommen und nichtvermessen, die Kosten des Krieges aus Steuern auch nur zu einemerheblichen Teile decken zu können. Wir haben uns von Anfangan doch wohl ein richtigeres Bild von den gewaltigen finanziellenAnforderungen dieses Krieges gemacht, als es die englischen Staats-männer getan haben. Wir haben unser Programm von Anfangan enger gezogen und uns auf die Erhaltung der ordentlichenGrundlagen der Reichs Wirtschaft beschränkt. Auf diesem Bodenheisst es stehen bleiben, nicht aus Prinzipienreiterei, sondern weildie grössten praktischen Interessen für das Reich auf dem Spielestehen.
Meine Herren, ich weiss, dass auch andere Ansichten lautgeworden .sind. Man hat die Frage aufgeworfen: Ist es wirklichnötig, jetzt mitten im Kriege neue Steuern zu machen und : damitdie Bevölkerung zu beunruhigen und zu beschweren?
Man hat mit nicht allzu grossem Respekt von den paarhundert Millionen gesprochen, die schliesslich neben den vielenMilliarden doch auch noch durch Anleihe aufgebracht werdenkönnten, bis nach Friedensschluss die grosse Ordnung der Reichs-finanzen kommen werde.
Meine Herren, auf die Gefahr hin, in den Ruf der Klein-lichkeit zu kommen, muss ich bekennen, dass ich mich zu dieserGrosszügigkeit nicht aufzuschwingen vermag. Eine runde halbeMilliarde- im Jahre für den ordentlichen Reichshaushaltsetat istenorm viel Geld. Das sind die Zinsen von 10 Milliarden Mark.Und dieses Geld werden wir künftighin bitter nötig haben, bisnach dem Kriege die Neuordnung der Reichsfinanzen durchgeführtsein wird. Dass diese Neuordnung nach Friedensschluss nichtetwa von heute auf morgen da sein wird, dass sie nicht etwa,wie Pallas Athene , fertig und in voller Rüstung mit einem Schlageaus dem Haupte des Jupiter hervorspringen wird, darüber sind wiruns doch wohl klar. Die 500 Millionen werden sich also multi-plizieren, und sie werden ein sehr beachtliches und unbedingtnötiges Zehrgeld auf dem Wege zur endgültigen Ordnung derReichsfinanzen zu bilden habeij.
Meine Herren, wir wollen uns durch die Milliarden, die wirjetzt für den Krieg leihen und ausgeben, doch nicht den Kopf