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verdrehen lassen. Die Zeit wird kommen, wo wir uns bescheidenwieder an die Millionenrechnung gewöhnen werden, und wo 50oder 100 Millionen Ausgaben mehr oder weniger uns sehr ernstlichbeschäftigen werden. Es ist ja eine alte Wahrheit, dass grosseSchulden viel leichter verschwenderisch machen als grosser Reich- .tum. Aber vor dieser Versuchung haben wir uns zu hüten.
Das Amt, das ich im Kriege schweren Herzens übernommenhabe, hat mich vor zwei Kriegsaufgaben gestellt: vor die Be-schaffung der Mittel, die für die Kriegführung erforderlich sind,und vor die Erhaltung der gesicherten Grundlagen der Reichs-finanzwirtschaft. Sie dürfen überzeugt sein, dass ich das ganzeMass meiner bescheidenen Kräfte an diese beiden Aufgaben setzenwerde; und ich b{in überzeugt, dass dieses hohe Haus im Voll-gefühl auch seiner Verantwortlichkeit mir dabei helfen wird.
Meine Herren, die beiden Kriegsaufgaben, von denen ichspreche, gehören ja untrennbar zusammen. Wir können den Kriegfinanziell nur durchhalten und — das gehört ja auch zum Durch-halten — wir können den nicht leichten Weg des Uebergangs indie Friedenswirtschaft nur dann glücklich zurücklegen, wenn unserHaus auch im Kriege gut bestellt ist und in Ordnung bleibt.Wir können von unserem Volke, das jetzt zum vierten Mal inVaterlandsliebe und Vertrauen seine Sparpfennige dem Reichedarbietet, wir können von unserem Volke nicht die Milliardenbe-träge der Anleihen verlangen und annehmen, wenn wir nichtrechtzeitig Vorsorge treffen, um die Verzinsung sicher zu stellen.Das ist kein Formalismus und das ist keine Kleinlichkeit; das istnichts als Pflicht und Schuldigkeit, nichts als elementare Fürsorgefür den nächsten Tag!
Meine Herren, ich hoffe, Sie werden mir zugeben, dass dieszwingende und durchschlagende Gründe sind, die uns gar keineWahl lassen. Es wäre ja für die verbündeten Regierungen und eswäre für mich persönlich so unendlich viel bequemer, die Sacheauf die leichte Schulter zu nehmen und die Dinge gehen zu lassen.Es wäre auch für dieses hohe Haus vielleicht bequemer; aber derharte Krieg kennt kein Recht auf Bequemlichkeit, er kennt nurNotwendigkeiten. In der Erfüllung der Notwendigkeiten beschränkensich unsere Vorschläge, wie Sie aus meiner Darlegung über den
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