— 200 —
inneren Aufbau des neuen Etats gesehen haben, auf das Mindest-mass des Vertretbaren. Wir mögen unsere Hoffnungen auf einenauch finanziell günstigen Friedensschluss noch so hoch spannen —und diese Hoffnungen halten wir aufrecht —: trotzdem bleibtdie Gewissheit, dass unter allen Umständen eine erhebliche Stei-gerung der Reichseinnahmen eine Notwendigkeit sein wird. Des-halb kann uns keine Aussicht auf Kriegskostenentschädigung derVerpflichtung entheben, heute schon zu tun, was an uns liegt,um den Reichswagen auf den Geleisen einer gesicherten Finanz-wirtschafl zu erhalten. Die Besorgnis, dass Sie die halbe Milliardeohne Not bewilligt haben könnten, braucht sie leider nicht zudrücken. Wenn ich mich selbst auf Herz und Nieren prüfe, hätteich mir allenfalls den einen Vorwurf zu machen, dass die Steuer-vorlagen heute schon nicht weit genug gehen, und dass sie nochallzuviel der Zukunft überlassen.
Meine Herren, in dieser Lage gäbe es nur eine einzige Ent-schuldigung für die Unterlassung des Notwendigen: die Unmöglich-keit der Beschaffung der erforderlichen Mittel. Diese Entschul-digung steht uns Gott sei Dank nicht zur Seite. Die 500 MillionenMark neuer Reichseinnahmen sind keine Leistung, die dem deut-schen Volke nicht zugemutet werden könnte, und die es nichtzu tragen vermöchte. Deutschland hat in Friedenszeiten überSteuerreserven verfügt wie kaum ein anderes der grossen euro-päischen Länder, und im Kriege hat unser Volk so glänzendeBeweise seiner finanziellen Leistungsfähigkeit vor aller Welt er-bracht, dass ich den sehen möchte, der behaupten will, die Auf-bringung einer neuen Einnahme von einer halben Milliarde jährlichrühre auch nur entfernt an die Grenzen unserer Kraft. Davonkann gar keine Rede sein. Das deutsche Volk wird die Steuer von500 Millionen tragen und auch alles das, was darüber ^hinausnotwendig ist, um das Reich zu erhalten und um seinen Platzzu behaupten. Die Lebens- und Arbeitskraft, die wir in uns selbertragen, bürgt uns dafür, dass wir auch mit schwererem Gepäckals bisher unsern Weg gehen und in der Welt vorankommen werden.Darüber sind wir uns alle einig.
Nicht ganz; so einig sind wir vielleicht in der Beurteilungder einzelnen Steuerprojekte, die Ihnen die verbündeten Regie-