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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
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den Herren ja nichts Neues, wenn ich daran erinnere, dass derKrieg nicht nur an das Reich, das die Hauptlast trägt, sondernauch an die Einzelstaaten, die Kommunen und die Kommunalver-bände grosse finanzielle Anforderungen gestellt hat und weiterstellt, Anforderungen, die nur zum Teil durch die Inanspruch-nahme bankmässigen Kredits abseits des offenen Marktes befriedigtwerden können. Kommunen und Einzelstaaten sehen sich deshalbgenötigt, mit ansehnlichen Sleuererhöhungen vorzugehen, und zwarmit Erhöhungen, die samt und sonders auf dem Gebiete derdirekten Besteuerung liegen.

Ich verweise auf die Steuervorlage, die augenblick-lich die gesetzgebenden Körperschaften Preussens beschäf-tigt. Für die grossen Einkommen ist dort eine Erhöhung derSteuerzuschläge bis auf volle 100 Prozent des Normalsteuer-,satzes, der 4 Prozent, während bisher der Zuschlag nur 1 Prozentbei den grossen Einnahmen beträgt, vorgesehen, also auf 8 Prozentbetrug, also mit dem Normalsatz zusamimen 5 Prozent im Höchst-falle ausmachte. Bei den mittleren Einkommen ist der Zuschlagwesentlich bescheidener, bei den kleinen Einkommen bis 2400Mark ist eine Erhöhung des Zuschlags überhaupt nicht vorge-sehen.

Bei den Aktiengesellschaften soll nach dem Gesetzentwurfder Zuschlag bis zu 160 Prozent steigen. Der Steuersatz kommtdamit im Höchstfalle auf 10,4 Prozent. Dabei wirkt die Steuerauf das Einkommen der Aktiengesellschaften bekanntlich als Dop-pelbesteuerung, weil neben der Gesellschaft noch einmal der Aktio-när als solcher von der Einkommensteuer erfasst wird.

Meine Herren, Sie sehen also, dass in dem grössten deutschenEinzelstaate und ähnlich liegen die Dinge in den meistenanderen doch auch die direkten Steuern stark herangezogenwerden, und zwar, was ich unterstreiche, unter Freilassung derkleinen und unter Schonung der mittleren Einkommen. Wie weitdiese Schonung geht, mögen Sie daran ersehen, dass von den100 Millionen Mark, die von den neuen Zuschlägen in Preussen erwartet werden, nur 1% Millionen Mark auf die Zensiten aniteinem Einkommen von 2400 bis 6400 Mark entfafllen und nur3,1 Millionen Mark auf die Einkommen von 6500 bis 10 500 Mark.