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wird. Ich habe Schätzungen gehört, die bis auf 3 Milliarden gehen.Das halte ich für übertrieben; aber 1 Milliarde werden wir nachmeiner Ansicht erheblich überschreiten. Wenn ich auf England exemplifizieren darf: England schätzt jetzt den Ertrag seiner Kriegs-gewinnsteuer für ein einziges Jahr, für das laufende Jahr, auf86 Millionen Pfund; das sind 1 3 A Milliarden Mark in einem einzigenJahre. (Zuruf.) — 50 Prozent wird mir zugerufen. Das ist richtig;aber der Kreis der Betroffenen ist in England sehr viel engerals bei üns. Von einer so radikalen Vermögenszuwachssteuejrwie bei uns ist in England gar keine Rede. In England wird nurder Mehrgewinn aus Industrie und Gewerbebetrieben betroffen,der Privatmann geht mit seinem Vermögenszuwachs völlig freiaus. — Jene Gewinne werden allgemein mit 50 Prozent betroffen;aber, Herr Abgeordneter Dr. Blunck, wenn Sie unsere Gesell-schaften vornehmen und rechnen, dass zunächst die Gesellschaftbesteuert wird, und zwar nicht izu knapp, und dann die einzelnenGesellschafter, die Dividende beziehen, noch einmal, so kommenSie auch sehr häufig auf Sätze, die 50 und 60 Prozent erheblichüberschreiten. Nun, auf jeden Fall glaubt England aus der Kriegs-gewinnsteuer einen Ertrag per annum zu erzielen, der rund ly*Milliarden Mark beträgt, und dieser Ertrag rührt aus Quellen her,über die wir nicht verfügen. Es stecken darin besonders die grossenReedereigewinne; in diesen Reedereigewinnen liegt ein Stück derKontribution, die England sich während, des Krieges von seinenVerbündeten zahlen lässt.
Meine Herren, an dem Zustandekommen dieser Steuerge-setze hat nicht nur der Reichstag, sondern ich glaube, man kann sa-gen, die gesamte deutsche Oeffentlichkeit einen hervorragenden An-teil. Trotz der schweren Belastungen, die grossen Kreisen zuge-mutet werden, habe ich überall, bei der Tabakindustrie, bei demgesamten Gewerbestand, bei der Grossindustrie, bei den ein-zelnen Kapitalisten, Verständnis gefunden. Ich habe überall dieUeberzeugung feststellen können, dass in solchen Zeiten für dasReich die Opfer gebracht werden müssen, die für die Aufrecht-erhaltung einer geordneten Finänzwirtschaft auch im Kriege erfor-derlich sind. Die Debatten, die in der Oeffentlichkeit, die in derPresse geführt worden sind — man kann ja selbstverständlich'