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zu verlangen, als er unbedingt braucht. Mit dem zweiten Unter-staatssekretär werde ich fürs nächste zurechtkommen und damit,glaube ich, kann ich die Angelegenheit in der Tat als für michbefriedigend gelöst betrachten.
Wie die Dinge späterhin werden, das ist eine Sache für sich,die wir zur gegebenen Zeit zusammen mit Ihnen zu behandelnhaben werden. Dann wird ja auch, wie das von verschiedenenSeiten aus dem Hause angekündigt worden ist, die Kardinal-frage wieder auftauchen, ob eine Teilung des Amtes nützlichund notwendig ist oder nicht. Darüber, dass heute während desKrieges zu einer so tiefeinschneidenden Neuorganisation nicht ge-schritten werden kann, besteht ja auch bei den grundsätzlichenAnhängern der Teilung des Amtes Uebereinstimmung. Aber ichmöchte meinerseits auch heute schon hier zum Ausdruck bringen,dass mir die Gründe, die hic et nunc gegen eine Teilung des'Reichsamts des Innern sprechen, doch die stärkeren und dieentscheidenden zu sein scheinen. Es ist nicht etwa eine an sichleicht verständliche Abneigung gegen eine Vivisektion, die michdiesen Standpunkt vertreten lässt, sondern es ist die rein sach-liche Erwägung, dass die Materien, die heute im Reichsamt des'Innern bearbeitet werden, und die auf den ersten Rlick manchemzusammenhanglos erscheinen mögen, doch so eng miteinander ver-bunden sind, dass sie ohne Schaden für die Sache nicht aus-einandergeschnitten werden können. Die drei grossen Gruppensind die Fragen der inneren Politik, der Sozialpolitik und derWirtschafts- und Handelspolitik. Der Zusammenhang zwischenWirtschafts- und Handelspolitik auf der einen Seite und Sozial-politik auf der andern Seite kann ja gar nicht bestritten werden.Die grossen Fragen, die in meinem Amte zu behandeln sind,haben — einerlei auf welchem Gebiet sie ihren Ausganspunkthaben — notwendig ihre Wirkungen auch auf das andere Gebiet,— Wirkungen, die bei der Gesamtbeurteilung unter allen Um-ständen in Betracht gezogen werden müssen. Ebensowenig lässtsich nach meiner Meinung, wie die Verhältnisse im Reich ge-lagert sind, ein Strich ziehen zwischen innerer Politik und Sozial-politik. Auch hier sind die Zusammenhänge so eng, dass bei
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