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die Frauen sind nicht zum Kriegsdienst eingezogen, und bei denFrauen besteht das Problem darin, dass wir Frauen in grossemUmfange in Stellen hineinbringen, die durch Einziehung männ-licher Arbeiter frei geworden sind. Bei den Frauen deckten sich beiKriegsausbruch Angebot und Nachfrage, es kamen im Juli 191499 Angebote auf 100 Nachfragen. Mit dem Kriegsausbruch kamauch hier die bekannte Verschärfung der Arbeitslosigkeit, so dass202 Angebote auf 100 offene Stellen im Monat August 1914 ent-fielen. Dann auch hier die Besserung wie bei den männlichenArbeitskräften, so dass ich im Dezember v. J. mitteilen konnte,dass im Oktober 1916 — die letzte Zahl, die zur Verfügung stand— 135 Angebote auf 100 offene Stellen entfielen. In welchemMasse die Heranziehung der Frauen zur Arbeit — zur Kriegs-arbeit, eine andere gibt es ja heute nicht mehr — gewachsenist, ergibt sich daraus, dass im Dezember das Angebot sichauf 123 vermindert hatte, und dass im Januar nur noch 115Angebote auf 100 offene Stellen vorlagen. Sie sehen also, inwelchem Masse, auch ohne dass wir die Frauen in das Hilfs-dienstgesetz einbezogen haben, tatsächlich die Frauen in die Arbeitweiter hineingegangen sind.
Meine Herren, es ist gestern und heute von einigen Rednernbedauert worden, dass dem so ist. Dieses Bedauern kann ichnicht voll teilen, obwohl ich die Nachteile einer so intensivenHeranziehung der Frauen zur Arbeit ganz gewiss nicht verkenne.%.ber, meine Herren, wir sind im Kriege. Brot und Arbeit, (dasbleibt die Losung. Wir haben beides, wenn wir die nötigen Ar-beitskräfte haben. Wir haben die nötigen Arbeitskräfte, wennjeder Mann und jede Frau an den richtigen Platz gestellt werdenund ihre volle Schuldigkeit tun, soweit ihre Kräfte reichen. Wirwerden aber unterliegen, trotz aller Heldentaten unserer Truppen,wenn uns der Wille und die sittliche Kraft fehlt, zu tun, wasdie Schicksalsstunde unseres Volks von uns allen gebieterischverlangt, frei von Sentimentalität gegen den Feind und gegenuns selbst, das Auge nur auf das eine grosse Ziel gerichtet!
Meine Herren, ich sage frei von Sentimentalität auch gegenuns selbst. Es mag hart klingen, was ich sage; aber nicht ichbin hart, sondern die Zeit ist hart. Es bleibt uns nicht erspart,