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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
Entstehung
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zugetrauL wie uns selbst. Heute ist die Organisation fast etwasin Verruf gekommen. Aber ich möchte glauben, das eine istungefähr so falsch, wie es das andere war. Wir haben die Zauber-kraft der Organisation im Anfang vielleicht überschätzt und, ichglaube, wir sind jetzt auf dem besten Wege, die Notwendigkeif,der Organisation zu unterschätzen.

Meine Herren, unsere Kriegsorganisationen, Kriegsgesellschaf-ten und Kriegsstellen sind eine merkwürdige bisher in der Welteinzigartig aastenende Bildung, die aus den Notwendigkeiten desKrieges herausgewachsen ist. Es hat sie niemand erfunden, siesind mehr oder weniger von selbst aus der Notwendigkeit ^derZeit herausgekommen. Sie sind daher gekommen, dass wir aufden wichtigsten Gebieten unserer Wirtschaft, in bezug auf Nah-rungsmittel, in bezug auf Rohstoffe, infolge der Abschliessungvon der Aussenwelt vor eine Knappheit gestellt wurden, die aiurauf zwei Wegen zu überwinden war: entweder man liess denKräften des Wirtschaftslebens freies Spiel, oder aber der Staatentschloss sich zum Eingreifen. Hätten wir freies Spiel gelassen, ja, ein Ausgleich wäre wohl dann auch zustande gekommen,ein Ausgleich vermöge der Preisbildung, der eben alle diejenigenausgeschaltet hätte, die nicht mehr zahlungsfähig genug gewesenwären, um die für ihr Leben und für ihre Wirtschaft notwendigenDinge zu kaufen. Dann wären wir eben, wie es bei früherenKriegen der Fall war, zu einer Hungersnot und zu anderen Kata-strophen gekommen. Dies hat man vorausgesehen und man hatversucht, es zu verhindern. Wir konnten den freien Kräften deswirtschaftlichen Lebens nicht freies Spiel lassen, wenn wir diesekatastrophale Entwicklung verhindern wollten. Nun sollte alsoder Staat eingreifen. Er hat auch in früheren Zeiten eingegriffen,wenn schwere Knappheit gefährlich zu werden drohte. Ich erinnerean die französische Revolution. Man hat damals Höchstpreisefestgesetzt und hat geglaubt, das AVirtschaftsleben durch einesolche Preisreglementierung beherrschen zu können. Die Folgensind bekannt. Sie waren kaum weniger katastrophal, wie es dieFolgen eines 'Gewährenlassens der freien Kräfte hätten seinkönnen. Die Waren verschwanden vom Markte. Diejenigen, diein der Lage waren, unter der Hand enorm hohe Preise zu zahlen,