— 293 —
worden ist, es sei nicht soviel bestellt worden, wie angebotenwurde, so ist die Erklärung sehr einfach. Wenn ich heute einenLieferanten von Kriegsgerät irgendwelcher Art frage, was er lie-fern kann, ist in der Regel seine Antwort: alles, was du willst,wenn du mir das Material und die Arbeitskräfte gibst I Das istder springende Punkt. So ist es auch bei den Lokomotiven.Unsere Lokomotivfabriken hätten vielleicht noch mehr liefern kön-nen, als bei ihnen bestellt worden ist, wenn Material und Arbeits-kräfte in dem entsprechenden Umfange hätten bereitgestellt werdenkönnen. Aber die Lokomotive ist auch im Kriege nicht allein aufder Welt. Sie konkurriert schon bei der Eisenbahn mit demWaggon, sie konkurriert mit der Schiene, mit dem Kleineisenzeug.Sie konkurriert auch vor allem mit dem Baumaterial für di|e^Munitionsfabriken und Aehnlichem. Sie konkurriert mit der Ka-none und mit der Granate. Da heisst es eben — bei der Knappheitan Material und Arbeitskräften — abwägen und abgleichen. DasAbgleichen geht in manchen Fällen nicht ohne Abstreichen. Aufdem Gebiet der Eisenbahnen ist es genau so wie auf dem Gebietdes reinen Militärbedarfs, wo wir gern noch viel mehr leistenwürden, als geleistet wird, — wenn wir nur könnten. Ich glaube,wirklich sagen zu dürfen, auch auf dem Gebiete der Eisenbalmist nichts versäumt worden. Im Gegenteil, unsere deutschen Eisen-bahnen haben sich in diesem Kriege — ich glaube, das (ruhigbehaupten zu können — aufs glänzendste bewährt. Dieses Lobgilt für ihre sämtlichen Beamten, von den Ministern herunterbis zum kleinsten Eisenbahnarbeiter.
Nun, meine Herren, von diesem Ueberblick über unsere wirt-schaftliche Situation zu einigen Punkten, die sich auf die Orga-nisation unserer Kriegswirtschaft beziehen, also auf die vielbe-sprochene Frage der Kriegsgesellschaften und der Kriegsstellen.
Meine Herren, es ist jetzt im Gegensatz zu der ersten Zeitdes Krieges lebhaft und wiederholt Klage darüber geführt worden,dass die Organisationen überhand nehmen. Am Anfange des Krie-ges waren wir auf die Organisation ganz ausserordentlich stolz;sie galt uns, ich möchte sagen, als ein Spezialprodukt des deutschenGeistes, das wesentlich mit dazu beitrage, unsere Feinde zu schla-gen. Wir haben den anderen nicht so viel Organisationstalent