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schaftskraft und der zunehmende Wohlstand des einen Landesnicht zum Schaden, sondern zum Vorteil des anderen Landesausgeschlagen sind. Denn während Sie gross wurden und wirgross wurden, hat sich der Güteraustausch zwischen den Ver-einigten Staaten und Deutschland nicht vermindert, sondern starkvermehrt. Ihr Herr Vorsitzender hat Ihnen für das letzte Jahrzehntvor dem Kriege einige Zahlen genannt. Ich darf seine Ziffern durchunsere deutsche Statistik ergänzen. In den zehn Jahren von 1903bis 1913 ist Deutschlands Handelsumsatz mit der Union von 1400Millionen Mark auf 2425 Millionen Mark gestiegen; eine Ent-wicklung, an der Ihre Vereinigung sich einen guten Teil des Ver-dienstes zuschreiben kann.
Meine Herren! Wer, wie Sie, unser deutsches Volk als Volkder friedlichen Arbeit kennt, der ist gefeit gegen die bösartigePhrase, mit der unsere Feinde der Welt Sand in die Augen zustreuen suchen, gegen die Phrase vom deutschen oder, wie sielieber sagen: vom preussischen Militarismus. Meine Herren! Ichfrage Sie, was ist das mit unserem Militarismus? Sie kennen!unser Land und seine Geschichte; Sie wissen, dass Deutschland Jahrhunderte hindurch das Schlachtfeld seiner kriegerischen iNach-barn war. Sie kennen den Rhein , Sie kennen vielleicht auch meineengere Heimat, die schöne Pfalz. Wenn Sie jemals dort gereistsind mit offenen Augen: Jede Stadt und jede Burg spricht zuIhnen von den traurigen Zeiten unserer Ohnmacht, von der Ver-nichtungswut eines Nachbarn, der sich vermass, jenes blühendeParadies für alle Ewigkeit zur Wüstenei zu machen. Ist es Mili-tarismus, wenn wir uns dagegen wehren, dass solche Zeiten wie-derkehren? wenn wir planmässig unsere Volkskraft zur Vertei-digung unseres Vaterlandes organisiert haben?
Und haben wir etwa zu viel getan? Blicken Sie auf unsereNachbarn. Ist Frankreichs Rückkehr zur dreijährigen Dienstzeitetwa. Pazifismus gewesen, und nur unser Beharren bei der zwei-jährigen Dienstzeit Militarismus? Unmittelbar vor dem Kriege kamauf jede Million Einwohner eine Friedensstärke der Armee vonrund 20 000 Mann in Frankreich, von nur 12 300 Mann in Deutsch-land . Wo war der Militarismus, bei den 20 000 oder bei den12 300 Mann? Unsere Ausgaben für Heer und Flotte sind, auf