Druckschrift 
Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
Seite
61
Einzelbild herunterladen
 

DER STEMPELDRUCK VOR GUTENBERG.

61

(cheine kommen dürften, belehren uns, daß der Dominikaner Conrad Forßer, aus Ans-bach (Onoldsbach) gebürtig, im Orden das in befonderer Geltung (teilende Amt einesSacrißans bekleidete, daneben über zwanzig Jahre, 14371457, die Kunß desBuchbindensübte. Weitere Lebensumßände konnte ich nicht feßßellen.

Sein Genoffe, Frater Johann von Eichßädt, das andere Mal Johann Wirßng aus Eich-ßädt, wird als Cantor bezeichnet; er gefeilte ßch dem erßeren eine Zeit lang bei.

Forßers Werkßätte verfügte über zwei, etwas verfchieden gefchnittene Stempel-Garnituren, von denen die Abbildungen Proben geben. Die zu dem Einbande desJahres 1436 benutzten Stempel von rund 10 mm Kegelhöhe (Abb. d, e u. f) zeigen faßalle einfache, etwas gedrungene Buchftabenformen, während die Schrift der Bände von1442 und 1451 (Abb. a, b, c u. g) bei 11,5 mm Kegel ßhlankere, offenbar mit großerSorgfalt durchgebildete Formen aufweiß. Bezeichnend für diejüngeren Stempeldie weiter entwickelte Ausßhweifung der Anfätje und Apices; vergi, befonders dieMinuskeln e, d, f, s, auch das Worttrennungszeichen. Von den Buchßaben des Alphabetsfehlen nur q und z. Sonß kommen vor: abcdefghiklmnoprfstu (als v)xyA C E FJ M N X W; § für Worttrennung; 9 Abkürzung für us; z für et; 2J- für rum; über dem benachbarten Vocal für m oder n. Mit Ausnahme des A finden ßch alleAnfangsbuchstaben auf die Kegelhöhe der Kleinbuchftaben geßhnitten. Bei denälterenStempeln fehlt das lange f. Die Form des Majuskel-N der jüngeren Garnitur nähert ßchder Antiqua, ßehe Abb. g. Für Minuskel-n und -u [cheint in beiden Garnituren nur einStempel gedient zu haben ; vergl. Abb. e, wo in Conradü u offenbar ein Abdrude desumgedrehten n-Stempels; ebenfo Abb. b, wo jedoch der betr. Stempel zweimal un-richtig, d. h. bei n die verbundenen Haßen nach unten, bei u nach oben gerichtet, einge-preßtwurde. Die Buchßaben wurden eigens für diefe Art der Technik geßoehen; die Ver-wendung für Lederpreffung ßellt es außer Zweifel, daß ße, wie andere Buchbinderftempel,aus Metall gearbeitet waren.

Ein Blick aufunfere photographißhe Lichtdruck-Tafel 1 zeigt fofort die Einzelbuchftaben;deutlich erkennt man das einzeln erfolgte Einpreffen der heißgemachten Stempel. Diefetrugen auf der Kopffeite das Buchftabenbild vertieft, petßhaftartig, eingravirt. Der Ab-druck zeigt daher die Schrift erhaben heraustretend. Die erhöhte Fugenlinie zwißheneinzelnen Buchßaben bezeichnet den Zwißhenraum, der beim Auffetyen des Stempelsneben dem vorher eingepreßten gelaffen wurde. Diefe Trennungslinie verfchwindetindeflen vollkommen, wenn die Stempel fo eng nebeneinander gepreßt werden, daß dieStempelkante ohne Zwißhenraum auf die Kante des links danebenßehenden Abdrucksaufgefetjt wurde, f. Taf. 1, Abb. d. Einzelne, verßhieden ftark eingepreßte Stempel dieferZeile haben treppenartige Preffungen erzeugt, wie das befonders tief eingedrückte Mder Jahreszahl oder das ziemlich flach gepreßte i von dni. Technißh bezeichnendauch das nach rechts fchiefe r von liber in Abb. c, wo der folgende, gerade aufgedrückteStempel eine keilförmige Fugenlinie bewirkt hat. Ebenfo ift zu beachten das doppeltaufgepreßte m in Nurembergeßs (f. Abb. g.), deffen erfter Abdruck zu tief, dejfen zweiteraber etwas zu hoch ausgefallen. Weitere Beifpiele von ßhiefftehenden, über oderunter die Linie gepreßten Stempeln bieten die Zeilen der Abb. a, b, e und f.

Der erße Anblick überraßht in einer Weife, daß man einen eigenartigen Druck, einbefonderes Druckverfahren, vor ßch zu fehen glaubt. Liegt einerfeits ein vervielfältigendes