DIE URKUNDLICHEN NACHRICHTEN ÜBER JOHANN GUTENBERG.
211
größter Wahrfcheinlichkeit aus dem Umßand, daß er nach Beendigung des Bibeldruckesdie Herßellung eines Pfalteriums unternahm, einer kleinen Ausgabe von etwa 38 Blättern,deren Exißenz vor wenigen Jahren durch L. Delisle 289 aus einem Bruchßück in derBibliotheque nationale zu Paris erfchloffen wurde. Eine Betheiligung von Fuß undSchöffer an diefem Druckwerk iß völlig undenkbar, weil ße damals eine andere Pfalter-ausgabe in Arbeit hatten.
Der größte Schaden für Gutenberg lag aber nicht im Verluß diefes Typenfchatjes,fondern vielmehr darin, daß durch den Prozeß das Geheimniß feiner neuen Kunft, fürwelche es damals felbßredend keinen Schul? gab, verrathen war und ßch imBeßtje feinesreichen und gewinnfüchtigen Rivalen befand. Die rafch gebildete Firma Fuß-SchöfFerverßand es denn auch, die von Gutenberg erlernte Druckkunß mit großem Gefchickauszuüben und mit Erfolg zu verwerthen.
Mit dem Muthe der Verzweiflung nahm Gutenberg den Kampf gegen die überlegenenConcurrenten auf. Aber die kleinen mit den Typen der 36zeiligen Bibel hergeßelltenDrucke, wie die 1455 ausgegebene „Manung widder die durken,“ die „Conjunctioneset oppoßtiones folis et lune“ für das Jahr 1457 u. A. 290 konnten die Kataßrophe nichtverhindern. Auch die Wiederaufnahme des Druckes der 36zeiligen Bibel, die er wahr-fcheinlich unter finanzieller und technifcher Hilfe Albrecht Pfißers in die Wege leitete,(cheint ihm keine Vortheile gebrachtzu haben. Es unterliegt zudem kaum einem Zweifel,daß kurze Zeit hierauf das Typenmaterial diefes Bibeldrucks und die gedruckten Bogenin den Befit? Pfißers kamen und mit ihm nach Bamberg wanderten. 291
Alles Ringen war umfonft gewefen. Ende des Jahres 1457 brach der finanzielle Ruinüber Gutenberg herein. Der Erfinder der Kunß war damals feiner Werkftatt beraubtund von allen Geldmitteln entblößt (vgl. Nr. XXII).
Nr. XXI Johann Gutenberg erscheint als Zeuge bei einem notariellen Akt. Mainz,21.Juni 1457. [Tafel 17].
In nomine domini amen. Anno a natiuitateeiufdemmilleßmo||quadringenteßmoquinquageßmo feptimo, indictione quinta, die vero Martis viceßma prima || menßs Junij,pontificatus fanctifßmi in Chrißo patris et domini noßri domini Calißi diuina prouidenciapape || tercij anno tercio, hora vefperorum vel quaß in mei notarij publici teßiumqueinfrafcriptorum ad || hoc fpecialiter vocatorum et rogatorum prefencia perfonaliter con-ßi tutus prouidus vir dictus Dyeinhenne, || villanus ville Bodenheim Maguntinenßs dioceßs,non vi, dolo, metu aut alias ßnißre inductus feu || feductus, fed pure, libere ac ex certafua fciencia, ut afferuit, confeflus fuit, recognouit ac pub- || lice profitebatur, difcretumvirum Petrum Slüffellaicum Maguntinenfem nonnulla bona immobilia, videlicet || curiamcum fuis attinencijs, agros et prata in dicta villa Bodenheim ac dißrictu eiufdem ßta, |jdudum ad ipfum Petrum Slüffel jure hereditario deuoluta dicto Dyeinhenne propter gratafamili- || aritatis obfequia eidem Petro, ut afferuit, impenfa cum omnibus juribus et per-tinencijs fuis reßg- || naffe ac effectualiter donaffe, ßc tamen quod idem Dyeinhenneinter alia de dictis bonis venerabilibus || viris, dominis decano, capitulo ac beneficiatisecclefie fancti Victoris extra muros Maguntinenfes feu eorum || pro tempore officiatis,fingulis annis triginta maldra filiginis annui et perpetui cenfus nomine || foluere atquetradere deberet et teneretur, quem quidem cenfum dictus Dyelnhenne hucufque et