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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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HEINRICH WALLAU

I. Einrichtung der zerleg- Meine Unterfuchungen der Pfalterdrucke vombaren Druckstöcke der zwei- J ahre 1457 (Pergament-Exemplar der Hofbiblio-

farbigen Psalter - Initialen thek in Darm P adt > 1459 (Pergament - Exemplar

iarmgen rsauer inmaien. der Stadtbibliothek in Mainz) 1490 (Papier -Exem-

plar der Stadtbibliothek in Trier) 1502 (Pergament-Exemplar des Doms in Mainz undPapier-Exemplar der Hofbibliothek in Darmgadt) 1515 (Papier -Exemplare der Biblio-theque publique zu Verfailles (Seine et Oise) aus der Sammlung J. P. A. Madden undder Hof- und Staatsbibliothek zu München) 1516 (Papier -Exemplar des Buchgewerbe-mufeums in Leipzig, aus der Klemmfchen Sammlung) 1 haben ergeben, dag die in zweiFarben gedruckten Initialen von Stödten abgezogen find, die mit einer für zweifarbigenDruck befonders gefchaffenen Einrichtung vergehen waren. Diefe Vorrichtung erläutertdie nebengehende (chematijche Zeichnung.

Auf einem (chrifthohen Stock befinden geh die Ornamente der Initiale,nach Art des Holzfchnitts erhaben herausgefchnitten, fo dag ge, mit Farbebedeckt, in der Buchdruckprefleabgedruckt werden können. DerKörper der Initiale, der eigentlicheBuchgabe, ig in diefem Druckgockweggelaffen. An feiner Stelle be-findet geh eine nutenartige Aus-tiefung, die genau den Zügen desBuchgaben folgt. Entfprechend

dieferAusgründung, die ich etwa 23 mm tief annehme,war ein befonderes Stüde hergerichtet, den Körper derInitiale dargellend. Diefe Initialplatte, auf der Zeichnunglinks angegeben, konnte in die Vertiefungen auf demVerzierungsgock leicht eingelegt und herausgenommen werden. Um einenzweifarbigen Abdrude der Initiale zu erhalten, verfuhr man wie folgt. Nach-dem die Initialplatte aus dem Ornamentgode entfernt, wurden die Ornamentez. B. mit rother, die Initiale jedoch mit blauer Farbe verfehen. Die Initialplatte wurdealsdann vorgehtig, namentlich ohne Berührung der eingefärbten Ornamente in dieRinnen des Ornamentgücks eingelegt. Es ig ohne Weiteres klar, dag ein derartig ein-gefärbter und zufammengefetjter Stock bei geeigneter Behandlung in der Prejfe einengenau paffenden zweifarbigen Abdrude der ganzen Initiale ergeben mußte. Daß dasDrucken mit folchen zweifarbigen Initialgöcken unverhältnißmäßig mühfam oder (chwer-Fällig gewefen fei, kann ich im Hinblick auf das erzielte vortreffliche, auf anderm Wegeganz unerreichbare Refultat durchaus nicht finden. Man hatte zudem von einer Form derPfalterdrucke, die 1457 und 1459 feitenweife gedruckt find, jeweilig gdier nur wenigeAbdrücke herzugellen. Diefe aber mit größter Sicherheit in tadellofem Zugande ausder Preffe zu bringen, gebot vor Allem das werthvolle Druckmaterial, insbefondere dasPergament. Das [cheinbar umgändliche, in der Praxis und in gewandten Händen wahr-(cheinlich ganz leichte Einfärben der Initialgöcke konnte dagegen nicht in Betracht kommen.Offenbar war die Ungcherheit des Regigers beim mehrformigen Druck, wenn nicht aus-fchließlich, fo doch mitbegimmend für die Erfindung der hier bejehriebenen Einrichtung,