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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
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DIE ZWEIFARBIGEN INITIALEN DER PSALTERDRUCKE.

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die mit Rückficht auf die obwaltenden Umßände thatfächlich eine fehr fachgemäße Ver-befferung des Druckverfahrens darßellt. Nicht unwefentlich fdieint mir ein weitererVortheil, den die neue Einrichtung bietet. Es ifl der leichte Wechfel der Farben derInitiale und Verzierungen. In Verbindung mit dem eigenartigen, fpäter zu befprechendenDrudeverfahren der Pfalterausgaben von 1457 und 1459 erleichterten nämlich die zumzweifarbigen Druck eingerichteten Initialftöcke die Anwendung der beßändig wechfelndenFarben, die den Drucken ebenfo zu hohem Schmuck gereichen, wie fie der technißhenErklärung feither große Schwierigkeiten darboten. So finden fich 1457 in harmonifchemWechfel blaue Initiale mit rother Verzierung und umgekehrt, auch mehrmals blaueInitialen mit Ornamenten in zartem violettrofa, fogar vereinzelt rothe Initiale mit violett-rofa Verzierung. Mit befonderer Aufmerkfamkeit wurde 1457 die zarte Lafurfarbe derVerzierungen behandelt; fie ift im Gegenfat} zu dem paßofen, oft übermäßig (tarkenAufträge auf der Initiale, meiß fehr leicht aufgetragen und wahrßheinlich unter ßarkerVerdünnung der rothen und blauen Farbe befonders zubereitet. Es kann nicht zweifel-haft fein, daß der Drude der Initialen von zwei getrennten Stöcken ein weit ungünßigeresVerfahren gewefen wäre.

M an wird nicht erwarten, daß die hier erklärte Druckvorrichtung an den Stöcken derPfalter-Initialen durch einen urkundlichen Beweis im üblichen Sinne feßgelegtwerde. Kein Bericht, nicht ein dahin deutendes Wort, wenn man von dem Lobfprucheder Schlußßhriften von 1457, 1459, 1490 und 1502 abfieht, noch weniger der Druckßockeiner Initiale bis heute bekannt geworden. Als einzige, glücklicherweife aber reichlicheQuelle, aus der die Beweisführung fchöpfen kann, find daher die in vielen Hundert wohl-erhaltenen Exemplaren vorhandenen Abdrücke der zweifarbigen Initialen felbß anzu-fehen. Die kritifche Beurtheilung der an diefen Abdrücken befindlichen technifchen Kenn-zeichen bleibt fomit der einzig mögliche Weg der Beweisführung, als deren Aufgabe imEinzelnen die Nachweife zu bezeichnen find:

1. daß die beiden Farben der Initialen nicht von zwei getrennten Stöcken, fonderngleichzeitig d. h. in Einem Druckvorgang abgedruckt wurden ;

2. daß die Einfärbung der beiden Farben nicht auf einem und demfelben Stock ßatt-gefunden haben kann, daß diefer Druckßock vielmehr aus zwei trennbaren Theilenbeßanden hat, und

3. daß der Körper der Initiale eine dünne, in der Form des Buchßaben ausgeßhnittenePlatte war.

D er gleichzeitige Druck von Initiale und Verzierungen kann nicht Beweife für gieichzeiti-zweifelhaft fein. Als technißher Hauptbeweis muß das nie ver- s en Drude der Initialefagende Regißer, auf das oft hingewiefen wurde, angefehen werden. und der Verzierun s-Mit Recht hat man die ganz ungewöhnliche Empfindlichkeit des Paffers hervorgehoben,eine Schwierigkeit, zu deren Bewältigung im zweiformigen Druck fich auch moderneDrucktechnik nicht immer gewachfen erweiß. So zeigen alle Initialproben meiner Exem-plare von Wetter, Falkenßein, deVinne, Faulmann und Martineau mangelhaftes Regißer.Wohl mag, wie bei Falkenßein an dem C 2. Größe, der Schnitt der Holzßöcke mitSchuld tragen; allein auch die beßgelungenen modernen Nachbildungen der Initialen, wie