264
HEINRICH WALLAU
bei Waldow, Buchdruckerkunß I, S. 22 (ein Wiederabdrude des Falkenßeinjchen Nach-fchnitts) oder bei Reichsdruckerei, Druckjchriften Tafel 41, 61 (in meinem Exempl. O u. P)und Monumenta Tafel 73 (Initiale J) können ßch in dem wichtigen Punkte des Regißerskaum mit den Originalen meflen. Unter den vielen Hundert von mir geprüften Ab-drücken der Pfalter-Initialen aber ift nicht ein einziger mit ßhwankendem Regißer nach-weisbar. Die ganz geringen, auf Bruchtheile eines typographijehen Punktes zu jehätjen-den Unterfchiede, die der kleine Zwifchenraum zwifchen Initiale und Ornament hie undda erkennen läßt, dürfen nicht als Regißerjchwankungen angefprochen werden, denn ßerühren in der Regel von übermäßig ßark aufgetragener Farbe her, die über den Randder Initiale quillt und fo den Zwifchenraum einmal mehr, einmal weniger verändert.Audi der ganz geringe Spielraum, den die, nach meiner Annahme, lofe eingelegte Initial-platte haben muß, kann hier von Einfluß fein. Diefe Urfache glaube ich z. B. Pf. 1459,Bl. 2 a und 6 a an Initiale U zu erkennen. Noch weniger können durch Verlegung ent-ßandene, wirkliche Veränderungen einzelner Druckßöcke, die fpäter zu befprechen feinwerden, herangezogen werden.
Vereinzelt kommt vor, daß die Farbe der Initiale den bezeichnten Zwifchenraumvollßändig ausfüllt, ja noch 1—2 mm breit auf dem Ornament aufliegt, wie z. B. Pf. 1457Q 57b E 136a; Pf.1459 S 130b Tafel 30; auch 1459 E40a des Mainzer Exempl. Taf.28zeigt im obern Innenfeld links einen dicken, aus dem Zwifchenraum ausgehobenenFarberand. Diefe Erfcheinung beweiß wohl unzweifelhaft den gleichzeitigen Abdruck derbeiden Farben, nicht aber die Einfärbung derfelben auf zwei getrennten Platten.
Weitere Beweife für den gleichzeitigen Druck der beiden Farben finde ich in fchief-ftehenden Abdrücken der Initialen, in Blind- und Abfchmu^drucken derfelben. Ich er-wähne einige Beifpiele, die einen ßchern Schluß geftatten. Pf. 1457: Q 26 a. Pf. 1459:D 97a E 37b U 121a. Pf. 1490: C 108a, 149a D 86a oben I 116b M 118b Q 208aU 2b, 156a. Die Möglichkeit, auf gefeuchtetem Pergament oder Papier, Abdrücke mitderart tadellofem Regißer durch zweimaligen Druck, bei dem alfo beide Stöcke oder diePunktiervorrichtung fchief ßehen mußten, auszuführen, kann als ausgefchloffen gelten.Zur Beurtheilung der Unßcherheit des zweiformigen Drucks mögen vergleichsweife dieStellen erwähnt fein, wo wirklich zweimaliger Druck erforderlich war, z. B. der nach-trägliche Eindruck einer Initiale in den offen gelaffenen Raum. Diefe Einzeldrucke vonInitialen zeigen, außer anderen Kennzeichen, faß alle kleine Schwankungen der Stellungund bekunden deutlich die, offenbar durch ungleichmäßige Ausdehnung des gefeuchtetenPergamentsgefteigerteSchwierigkeit desRegißerhaltens. Siehe z.B.1459 CllOaTaf.27,M 136 a Taf. 29, S 130b Taf. 30. So bedeutungslos die Pafferfchwankungen hier für das guteAusfehen meiß find, fo würden ße, auf die beiden Farben der Initialen angewendet, zweifel-los höchß auffallende, entßellte und unbrauchbare Abdrücke ergeben. Um fo ßcherer aberdarf mit Rückßcht auf die vorhandenen, nach Taufenden zählenden ohne Ausnahme inbeßem Regißer ßehenden Initialabdrücke angenommen werden, daß ße nicht durchzweiformigen Druck entßanden ßnd, wenn auch das ausnahmsweife Gelingen eines oderdes andern Abdrucks vermittels diefes Verfahrens theoretißh nicht in Abrede geftelltwerden foll. 2
Die folgenden Blinddrücke ßnd beim nachträglichen Eindruck der zweifarbigen Initialedurch fehr ßarken, vielleicht viele Secunden lang wirkenden Druck auf dem umgefalzten