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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
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DIE ZWEIFARBIGEN INITIALEN DER PSALTERDRUCKE.

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Blatt des Bogens entganden. Pf. 1459 Blatt 102 b oben bietet in dem Blinddrude des Nvon 109b Ornament und Initiale in begem Regiger, genau wie der Abdruck felbft,bei zweimaligem Drude eine technifche Unmöglichkeit! Diefelbe Erfdieinung zeigen dieBlinddrudee Pf. 1459 B 112b und U 126a.

Unzweifelhafte Belege dafür, dag Initiale und Ornament mitteig Eines Drudevorgangsabgedrudet wurden, find auch die in Pf. 1490 nicht feltenen, abgeghmutjten Stellen. Zwei-formiger Drude der Initiale veranlagt mit Sicherheit eine, wenn auch nur geringe Ver-änderung der Lage der aufeinanderliegenden Blätter durch Eintrodenen oder Verfchieben.Der Abfchmut} mügte daher in Stärke und Regiger, fchon des zeitlichen Abgandes derDrucke wegen, ganz anders erjeheinen, wie Pf. 1490 A 21b D 20a R 156b und in anderenFällen, befonders auch Blatt 115b. Dag hier Initiale und Ornament des B115a gleichzeitigauf dem noch nicht getrockneten Dunkelblau des F118a abgezogen haben, ig ohne weiteresklar. Sehr bezeichnend find auch die folgenden dupplierten d. h.gefchmitjten Initial-drucke in Pf. 1490. Die auf Tafel 26 wiedergegebene Initiale A Bl. 195a zeigt deutlichwie Initialplatte und Ornament gleichmägig rechts gefchmitjt haben, vielleicht infolgeeiner Papierbeule oder doppeltenZugs. Ebenfo ig merkwürdig der dupplierte AbdruckU Bl. 155a. Die Initialplatte zeigt fehr begimmt den zweimaligen Einfatj, einmal obenftark, unten (chwach, dann umgekehrt: oben (chwach, unten gark. Genau ebenfo verhältgeh die Verzierung, nur ig ge beim obern fchwachen Drude faft ganz ausgeblieben. DerTiegel der Preffe hat offenbar bei beiden Abzügengekippt, weil die Stü^gege nichtrichtig beigefchloffen waren oder ganz fehlten.

Es geht fomit einwandfrei feg, dag die zweifarbigen Pfalter-Initialen durchweg in fehrgenau paffendem Regiger ergheinen und dag diefe technifch merkwürdige Leigung nurdurch gleichzeitigen Abdruck der beiden Farben der Initiale und des Ornaments möglichgeworden ift.

Was nun das Einfärben einerDruckplatte mitzwei oder mehrFarben Einfärbung einer un-betrifft, fo bietet dies dem geübten Drucker, fei er Kupfer-, Buch- theilbaren Druckplatteoder Steindrucker, unter gewiffen Vorausfetjungen keine erheblichen mit mehreren Farben -Schwierigkeiten. Der auf jeder kleinen Hand- oder Tiegeldruckprefle wie auf grogenBuch- oder Steindruckmafchinen leicht ausführbareIrisdruck ig allbekannt. Er fpieltin der gefamten Farbendrucktechnik unfrer Tage von der kleinen Accidenzarbeit biszum Riefenplakat eine nicht unbedeutende Rolle. Auch die farbigen Kupferdrucke alterund neuer Zeit, die Farbenheliogravüre und die durch manche unvergleichlich künftlerigheWirkungen ausgezeichneten farbigen Holzjchnitte Chinas und Japans gehören in tech-nifcher Beziehung hierher. Die letztgenannten Kungdrucke fetten geh freilich oft auseiner grögern Anzahl übereinandergedruckter, mehrfarbig eingefärbter und abgetönterPlatten zufammen. Ueberall begeht die Aufgabe des Druckers darin, auf Einer Druck-platte mehrere Farben durch mechanifche Vorrichtungen , 3 aus freier Hand, mittelsSchablonen u. a. m. aufzutragen, auch zu einer beabgehtigten Wirkung zu vertheilen unddann durch einmaligen Druck auf Papier u. a. zu übertragen, alfo abzudrucken. So be-wundernswerte Leiftungen auf diefem Wege erreichbar, fo unendlich vielfeitig geh diefeTechnik, namentlich künftlerighen Zwecken dienlich erweift, fo findet ge doch in einemFalle eine unüberwindbare Begrenzung. Ihr eigentliches Gebiet in der Typographie igdas Nebeneinander breiter Farbenflächen, nicht das Umeinander. Sie wird alfo dann ganz