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HEINRICH WALLAU
verfagen, wenn die zu färbenden Flächen der Druckftöcke in kleinen Abmeßungen naheaneinanderrücken und zugleich (ich gegenfeitig umfaßen.
Eben diefen Fall findet man bei den zweifarbigen Pfalter-Initialen vor. Er ift nocherfchwert durch den Umftand, daß die Farbe eines Theiles der zu färbenden Flächen,nicht etwa in [ch wachem Ton, fondern in tiefer, fatteßer Farbe dick aufgetragen wordenift. Die Initiale erfcheint in Dunkelblau oder Roth von größter Kraft, das Ornament inverdünntem Roth oder hellblau oder violettrofa. Die verfchiedenfarbigen Stellen nähernfleh, der Form der Initiale folgend, auf 1 typographijehen Punkt, etwa ein Drittel mm;diefer Abßand bleibt ganz ohne Farbe und trennt wie eine weiße. Linie die beiden Farben.(Vergl. die Abbildungen Taf. 25 bis 30.)
Man wird ohne Weiteres einräumen, daß die Einfärbung folcher Initialplatten, fofernfie aus Einem Stück beßehen, als äußerß umßändliche Arbeit bezeichnet werden muß.Ich erachte diefelbe für praktißh unausführbar; insbefondere find die Abdrücke unfererzweifarbigen Initialen auf diefe Art ßcher nicht eingefärbt worden. Die Begründungdiefer Behauptungen ergiebt ßch vielleicht am einfachßen, wenn man den Vorgang derEinfärbung einer Initiale, wie er ßch in Wirklichkeit abfpielen müßte, näher erwägt. Ichnehme alfo an, eine Initiale (z. B. D) der 3. Größe, von der faß auf jeder Seite derPfalterdrucke ein oder mehrere Abdrücke Vorkommen, foll in zwei Farben, der Körperder Initiale dunkelblau, die Verzierungen hellroth, eingefärbt werden. Der gereinigteDruckßock würde vor der Einfärbung der Initiale zur Erleichterung des Verfahrensvielleicht mit einer derart ausgefchnittenen Pergament-Maske bedeckt, daß alle Ver-zierungen zugedeckt erjeheinen, das innere Feld des D ift bei der Maske durch ßhmaleStege, die natürlich über die Initiale gehen müßen, mit dem äußern verbunden. Diedicke Farbe wird nun mit einem kleinen Druckerballen vorßehtig und ganz gleichmäßigaufgetupft, die Schablone entfernt, die von den Stegen bedeckt gewefenen Stellen miteinem fpitjen Stäbchen und etwas Farbe nachgebeßert. Der Körper des D wäre hiernachblau eingefärbt. Jetjt foll das Roth der Ornamente aufgetragen werden. Die Verwendungeiner Schablone, die die Initiale zu bedecken hätte, iß ausgeßhloßen, weil die (chon auf-getragene blaue Farbe nicht mehr berührt werden darf. Der Auftrag der rothen Farbeauf die Verzierungen muß alfo aus freier Hand gefchehen. Eine gewiffe Schwierigkeitbietet die Wahl eines geeigneten Inftrumentes. Der Pinfel ift fo gut wie ausgefdhloßen,da er zum gleichmäßigen Auftrag öder zur Vertheilung der fetten Buchdruckfarbe, wennman ße auch fehr verdünnt annimrat, ganz ungeeignet iß. Selbß der harte, kurze Borßen-pinfel wird immer zu große und ganz ungleiche Farbemengen aufbringen, deren Ver-theilung dann nicht mehr möglich iß. Die Aufgabe ift aber, relativ wenig Farbe ganzgleichmäßig aufzutragen. Es bleibt daher als Werkzeug für den Auftrag des Roth, außerHandballen und Fingerfpitje, vielleicht ein dem Modellierholz ähnliches, mit dünnemweichem Leder überzogenes Stäbchen denkbar, mit dem dann die Verzierungen, Stück-chen um Stückchen, genau bis an den Rand der Initiale zu betupfen wären. Ein in derThat äußerß mühfames und im Refultat ßcher recht minderwerthiges Verfahren! Nimmtman die Einfärbung etwa in umgekehrter Folge an, zuerß die rothen Ornamente unddann die blaue Initiale, fo würde die Arbeit kaum einfacher. Welcher Fachmann, der ßch mitBuchdruck auf Pergament und ßarkem Handpapier beßhäftigt hat, möchte auch nur dieWahrfcheinlichkeit einräumen, daß die uns in den Pf. 1457 und 1459 erhaltenen Initialen,