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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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DIE ZWEIFARBIGEN INITIALEN DER PSALTERDRUCKE.

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(ganz befonders mit Rückficht auf den ungemein kräftigen und meiß fehr gleichmäßig ge-deckten Farbeauftrag des tiefen Blau und prachtvollen Zinnoberroth des Initial-Körpers)daß diefe Initialen nicht mit dem breiten, elaßijchen und glatt befpannten Ballen, fondernmit fchmalen Stäbchen, die eine folche Farbevertheilung ganz unmöglich machen, vonPinfelbearbeitung ganz zu [chweigen, eingefärbt worden feien? Ich verweife insbefondereauf die bei jeder Initiale vorkommenden dünnen Stellen des Buchftabenkörpers, dieApices und Verbindungslinien von der Breite kaum eines Millimeters, deren gleichmäßigeund kräftige Einfärbung zwißhen den zu beiden Seiten ganz dichtanßehenden Ornamentenich in der Praxis für unmöglich halte. Wäre diefe Einfärbungsart an unferen zweifarbigenInitialen wirklich angewendet worden, fo hätte fie zweifellos zahlreiche unverkennbareSpuren hinterlaffen . 4

Es ergiebt fich aus vorßehenden Erwägungen und der damit zufammenhängendentechnifchen Prüfung der Abdrücke der fichere Schluß, daß einmal die beiden Farbender Initialdrucke gleichzeitig abgezogen, fodann aber daß fie auf getrennten Druckftöckenaufgetragen fein müffen, mit anderen Worten, daß die Initialßöcke felbß nicht aus EinemStück, fondern aus zwei zerlegbaren Theilen beftanden haben.

Es das Verdienft des englißhen Artillerie-Generals Sir Getheiite, zufammenfe^bareWilliam Congreve (1772, 1828) diefen Zufammenhang zuerß Dr . u . ck ^ töcice derzweifarbi g en

richtig erkannt zu haben . 5 Congreve hat mit dem nach ihm be- Initialen - Con g revedruck -nannten Druckverfahren (nämlich: zwei und mehr fehr genau ineinander paffende, ge-trennt eingefärbte, dann zufammengefeijte Farbenplatten durch einmaligen Drude abzu-ziehen) in der That das beim Drude der zweifarbigen Pfalter-Initialen angewendete Ver-fahren, von einer unwefentlichen Aenderung der Anordnung abgefehen, wieder ein geführt.Schwer begreiflich bleibt demgegenüber die Thatfache, daß im Kreife der Fachleute, derBibliographen und'Bücherkenner die längft vorhergegangene, faß handgreiflich einfacheVorrichtung der Pfalter-Initialen nicht verftanden wurde. Giebt doch der Congrevedruckfelbß die deutlichften Hinweife. Seine Anordnung läßt nämlich kaum einen Zweifel zu,daß Congreve die Druckvorrichtungen der zweifarbigen Initialen genau fo auffaßte, wiehier dargeßellt. Freilich gehen die meiften Erklärungsverfuche, fofern ße die Con-greveßhe Erfindung in Betracht ziehen, dann aber dieineinanderjehiebbaren Holz-ßöcke meift und mit Recht als unmöglich verwerfen, von irriger Beurtheilung desCongrevedrucks felbß aus. Das Eigenthümliche diefes, natürlich nur für Metallßhnittberechneten Verfahrens beruht eben nicht auf ausgehöhlten, ineinanderfchiebbaren Druck -ßöcken, derart, daß jede Farbenplatte einen befonderen Block bildet, fondern darin, daßauf einen feßen, d. h. nicht durchbohrten oder fonft getheilten Block eine lofe, wenigeMillimeter dicke Platte (aus Schriftmetall, Mefßng o. a.) aufgelegt wird. Diefe Platte ent-hält an den Stellen Durchbrechungen, an denen auf dem Block Erhöhungen von gleicherDicke der Platte ßch befinden. Die Erhöhungen des Blocks find in die Durchbrechungender Platte in jeder Beziehung genau eingepaßt; ße dienen, ebenfo wie die lofe Platte, zurAufnahme der zu druckenden Zeichnungen, Schrift u. a., die Platte alfo aufgelegt,dann befinden ßch die Oberflächen der feßen Blockerhöhungen und der lofen Platte inEiner Ebene. Werden die beiden Theile auseinander genommen, einzeln mit verfchiedenenFarben verfehen und wieder zufammengefügt, fo der mehrfarbige Druck durch ein-maligen Abzug möglich. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß der einfarbige Abdruck