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Pf. 1515, Verfailles, bietet nach gefälliger Angabe des Herrn Löonardon folgende Abdrücke von Stöckender zweifarbigen Initialen.
a) Zweite Größe: D Bl. XXa, XXVIIb, LXVIa. E Bl. XLVb. Initiale und Ornamente in Roth.
b) Dritte Größe: C-Ornamente von 1490, ohne die Initialplatte, in Roth auf Blatt I des „Hymnarius, “ohne Zahl, Signatur Aj, nach Bl. XCIX (falfch CXIX)... „Le feuillet.. n’est pas foliote. Celui qui le precödeporte le n° CXIX, erreur d’impression au lieu de XCIX, comme le prouve l’examen des feuillets pröcödentsXCVI, XCVII . . . une faute analogue se retrouve au feuillet 94, qui porte CXIIII au lieu de XCIIII. Lefeuillet oü figure l’initiale porte la signature Aj, avec un A maj uscule, tous les cahiers pröcedents portantles signatures en minuscules de a ä q, le cahier signe q, ne se composant que de deux feuillets qi, qiiavec les deux feuillets non signes correspondants soit 4 feuillets au lieu de 8. A partir de ce feuillet signeAj commence une nouvelle foliotation qui ne figure pas sur ce feuillet, mais sur les suivants marques:Fo. II, Fo. III etc. jusqu’ä Fo. XX.“
C neue Ornamente ohne Initialplatte, in Roth, Bl. LHIIb (fiehe auch Anmerkung 13). N Bl. LXXVIIa(falfch LXXIII) Initiale und Ornamente in Roth.
Der Vollßändigkeit halber feien noch die zahlreich vorkommenden quadratifchen Initialen erwähnt, meißfchwarz, vereinzelt auch roth gedruckt. Irgend ein Zufammenhang mit den alten Pfalter-Initialen beßehtnicht. Die Zeichnungen find hell mit wenigen Schraffuren auf ganz gefchloffenem Grund und zweifellos inMetallfchnitt ausgeführt. Die fchlanken Buchftabenkörper zeigen an den Haßenenden oder in der Mittehalbkreisförmige Einbiegungen, ganz im Sinne der Initialen mehrerer Lyoner Offizinen der Zeit, z. B.Johannes Cleyn. Blumen, Früchte (Nelke, Pafßonsblume, Erdbeere u. a.) Dißelranken, zwifchen denenMenfchen, Vögel und Fabelwefen (Drache, Chimäre, Einhorn) Vorkommen, ornamentieren den Grund. DieEntwürfe fcheinen durchweg der gleichen mittelmäßigen Hand zu entßammen. Ebenfo iß die Arbeit desGraveurs nicht feiten derb und unfertig. Nicht zu verkennen dagegen iß die Feßigkeit des Materials unddie gute Drudefähigkeit der Stöcke. Die faß ausnahmslos fcharfen Abdrücke zeigen keinerlei ausgebrocheneStellen oder fonßige Verlegungen, wie bezeidinenderWeife fehr viele Holzfchnitte jener Zeit. Ich bemerkedrei Größen in folgenden Kegelmaßen. 1. Gr. 74 bis 76 Punkt, 2. Gr. 50 bis 53 Punkt, 3. Gr. 40 Punkt.Diefen Größen entfprechen annähernd, 4, 3 und 2 Kegel der in Pf. 1515 verwendeten Miffaltype von 20,5Punkt; es werden daher rechts der Initiale in der Regel je 4, 3 oder 2 Textzeilen aus der Miffaltype an-gefügt. Manche diefer Initialen find in zwei Schnitten vorhanden, z. B. A B E I L u. a. der 1. Größe, C undR der 1. Gr. fogar in drei. Einige Motive der Zeichnung haben in genauer Wiederholung bei verfchiedenenGrößen Verwendung gefunden, fo Initiale L mit Erdbeere in 1. und 2. Größe. D 2. Gr. (Bl. XXXVIII) zeigtin einer aufgehängten Tartfche das Schöfferfche Wappen (Winkelhaken, hier oben 2 Rofen, unten 1 Stern).
Die oben näher befchriebene Holzfchnitt-Initiale S Bl. XXXVa ßeht ebenfalls in keinem Zufammenhangmit den Pfalter-Initialen.
Pf. 1516, Leipzig . Von den alten Initialen iß nur das große B auf Bl. la und zwar Initiale und Verzie-rungen in Roth abgedruckt. An Stelle der zweifarbigen Initialen treten durchweg die in Pf. 1515 verwen-deten, oben befprochenen quadratifchen Initialen 1. Größe von 74 bis 76 Punkt Kegelmaß = rund zwei Kegelder großen Pfalter-Type.
2. (zu S. 264) Vergl. hierzu Schmidt, Unterfuch. S. 171/2, deffen Auffaffung des Regißers der Einzeldruckeunten zu befprechen iß.
3. (zu S. 265) Für kreisrunden Irisdruck z. B. wurde noch in jüngßer Zeit ein kleiner Handapparat con-ßruiert, der zum Aufträgen mehrerer, in concentrifchen Kreifen liegenden Farben dient. (Anzeige derFirma Dieß & Lißing in Leipzig .)
4. (zu S. 267) de Vinne entfeheidet ßch S. 458 für Farbenauftrag durch Pinfel. Diefer Umßand, fowie die Zu-fammenßellung ganz irriger Urtheile über den Farbendruck der Pfalterdrucke (S. 456 f) läßt vermuthen,daß diefer ausgezeichnete Fachmann nicht Gelegenheit hatte, die Abdrücke felbß eingehend zu prüfen.
5. (zu S. 267) Nach der anfprechenden Erzählung Firmin Didots, s. v. d. Linde, Gutenberg S. 283 f.
6. (zu S. 268) de Vinne (S. 460 Anm.) hat aus dem Vorkommen diefer einfarbigen Abdrücke den falfchenSchluß gezogen, Initiale und Verzierungen müßten Ein Stück fein, d. h. auf demfelben Stock ßehen.
7. (zu S. 268) de Vinne hat ßch mit der Technik des Congrevedrucks offenbar nicht befaßt. Seine flüchtigeBemerkung zu diefem Verfahren a. a. O. S. 457.
8. (zu S. 269) Ich muß dahingeßellt fein laffen, ob die Herßellung der zweifarbigen Initialßöcke, woraufmich ein hervorragender Fachmann der Graviertechnik aufmerkfam macht, etwa derart zu denken fei,