Druckschrift 
Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
Seite
297
Einzelbild herunterladen
 

DIE ZWEIFARBIGEN PSALTERINITIALEN. ANMERKUNGEN.

297

daß man den Initialkörper und die dazu gehörigen Ornamente aus einer und derfelben Metallplatteherausfägte. Alle Theile paßten dann genau ineinander und hätten die Breite des Sägefchnittes alsSpielraum. Die Rinne für die Initialplatte ergäbe fidi von felbß, nachdem die Ornamenttheile auf Holz-oder Metallfuß richtig befeßigt ßnd, eine übrigens, der kleinen Stückchen wegen, die ßch beim Zer-fchneiden vieler Initialen ergeben, wiemirfcheint, durchaus nicht leicht zu löfende Aufgabe. (Vergi, z. B.die Initialen A und I.) Beßimmte, diefe Auffaffung ßüßende Wahrnehmungen, namentlich irgendwelcheUnregelmäßigkeiten in der Befeßigung oder Stellung der kleinen Füllßückchen, kann ich nicht angeben.Wie unten näher ausgeführt, weifen im Gegentheil eine Reihe von Beobachtungen an Abdrücken ver-fchiedener Initialen auf Unterfchiede in Härte und Dehnbarkeit zwifchen dem Metall der Initialplattenund dem der Ornamente deutlich hin.

9. (zu S. 269) Daß ein neuer Bruch der linken Haßa vorliegt und nicht etwa an einUmwenden der Platte,wie 1502 bei C ßattgefunden hat, zu denken, fdieint mir die gleichbleibende Stellung des unternApex zu beweifen. Er am rechten Ende etwas ßärker entwickelt als links und befindet ßch noch1490 in gleicher Stellung wie 1457, f. Taf. 29.

10. (zu S. 269) A. v. d. Lindes (Quellenf. S. 80) irrige und unklare Angaben über die Initialen von 1502feien hierdurch berichtigt; meine dort wiedergegebenen Mittheilungen beziehen ßch felbßverßändlichnur auf die beiden Initialarten in Uncialform, die im Text roth gedruckt zur Anwendung kamen.

11. (zu S.269) DerConfervateur-adjointderBibliotheque publique zu Verfailles, Herrarchiviße-palöographeH. Löonardon hat in der zuvorkommendßen Weife die auf Taf. 27 wiedergegebenen photographifchenAufnahmen hergeßellt und diefer Feßfchrift gewidmet.

12. (zu S. 270) Gefällige Vergleichung und Mittheilung des Herrn Prof. Dr. H. Georges in Gotha .

13. (zu S. 271) Diefe, fowie die Initialblinddrudce und Unterfchiede zwifchen dem Papier - und Pergament-Exemplar von 1502 weifen die Initial-Verzeichniffe, Anmerkung 1, nach.

14. (zu S. 275) Ohne Zweifel müffen die Pfalter-Initialen als typographifche Metallfchnitte fdion in tech-nifcher Beziehung den beßen Leißungen desl5. und 16. Jahrhunderts, wenn nicht aller Zeiten, angereihtwerden. Man wird bei näherer Prüfung den Vergleich mit den unübertroffenen Metallfchnitt-Meißer-werken von Erhärt Ratdolt (bei Butfch Bücher-Orn. d. Renaiffance Taf. 13. Ongania Lart d. limp.ä Venise S. 49 f) der Brüder de Gregoriis (Butfch Taf. 4. Ongania S. 105, 108) Aldus Manutius (ButfchTaf. 8. Ongania S. 110f) Geoffroy Tory (Butfch Taf. 9798) nur gerechtfertigt finden. Beachtenswerthfür die Beurtheilung der künßlerifch und technifch hohen Stufe unferer Initialen auch der unterAnmerkung 1 erwähnte, in Pf. 1515 vorkommende Neufchnitt der Ornamente eines C (Taf. 27). Troßenger Anlehnung an Motive der alten Initialen (vergi. C von 1457, D, S u. a.) wird der meißerhaftegroße Zug desfelben nicht entfernt erreicht. Auf die Unßcherheit des Graveurs weiß der Linienfchnittfelbß, wie auch das zu flach bearbeiteteFleifch des Stockes hin; diefes druckt an den offenen Stellenlinks, fowie der untern Ecke rechts nicht unbedeutend ab und zeigt die Stichelfpuren. Im Ganzen machtdie offenbar mühevolle Arbeit einen unßchern, faß dilettantifchen Eindruck. Nicht minder bezeichnendin obigem Sinne find die bei Falkenßein S. 123 gegebenen, im allgemeinen gewiß vortrefflichen Nach-fchnitte einiger Initialen. Man wird bei aller Anerkennung der zu diefen Holzfchnitten aufgewendetengroßen Sorgfalt nicht im Zweifel darüber fein, daß ße den künßlerifchen Schwung und die bis in kleinßeEinzelheiten erßaunlich ßchere Durchbildung der Originale bei weitem nicht erreichen, auch abgefehenvon manchen Freiheiten der Wiedergabe. Vergl. die beigegebenen Lichtdrucke, die ßch zur Prüfungdiefer Fragen befonders eignen. Die Schärfe der Gravierung wird indeffen durch die Photographie nichtimmer genau wiedergegeben, namentlich nicht an den Stellen, wo die Farbe etwasverpaßt abgedruckt und die Linien viel dicker erfcheinen, als ße in Wirklichkeit graviert waren.

15. (zu S. 277) Die Initiale bietet hier infofern befonderes Intereffe, weil ße vielleicht zur Feßßellung derReihenfolge der Abdrücke von 1457 beitragen kann. Da zunächß nicht anzunehmen, daß die Initialefchon bei Beginn des Druckes 1457 zerbrochen war, so wären die Abdrücke auf das Vorhandenfein undAbbrechen der Apices zu prüfen.

16. (zu S. 278) DerVerfaffer derUnterfuchungen über die Buchdruckertechnik des 15. Jahrhundertsmit drucktechnifchen Vorgängen praktifch nie bekannt geworden. Um fo höher möchte ich feinVerdienßum diefe Dinge bewerthen, die durch feine fcharfßnnigen Beobachtungen und Schlüffe eine ganz erheb-liche Förderung erfahren haben. Angeßchts oft wunderlicher Behauptungen und Oberflächlichkeitenwirklicher Fachleute, (man beachte das höchß bedauerliche Beifpiel Faulmanns), wäre zu wünfchen,

38