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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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HEINRICH WALLAÜ

dag zukünftig fachmännifch gefchulte Buchdrucker, ehe ge über alte Drucktechnik Erklärungen verfuchenoder Lehrfäße aufgellen, Schmidts Unterfuchungen kennen lernen und die in ihnen geleigete kritifcheArbeit würdigen und geh zum Vorbild nehmen wollten. So wenig damit ausgefprochen fein foll, dagSdimidtsRefultate immer die richtigen oder allein möglichen feien, fo wenig darf unterlagen werden, feinerVerdienge um die Erforfchung jenes wichtigen, aber rätfelvollen Gebietes an diefer Stelle zu gedenken.

17. (zu S. 279) Schmidt, S. 169, nimmt das Einfärben desSaßes in gefchloffener d. h. ungetrennter Form an.Die Einfärbung unfrer Pfalterdrucke kann jedoch aus früher befprochenen, technifchen Gründen nichtfo erfolgt fein. Zum Einfärben der fchwarzen Typen ig die vorherige Entfernung der rothen nothwendig.Man überfehe nicht, dag die Farben fag immer fehr gleichmägig aufgetragen gnd und dag hierzu einflaches, glattes, elagifches Werkzeug, nämlich der Druckerballen, erforderlich ig, mit dem man gleich-zeitig den Raum etwa einer Handfläche betupft, nicht aber, ohne aufgelegtes Deckblatt, eine einzelneTypeausfparen kann. Das Auflegen von Schußblättern auf die einzelnen rothenTypen darfalsunaus-führbar gelten. Ebenfo fcheint mir ganz unwahrfcheinlich, dag man die im Sag gebliebenen rothenTypenetwa mit dem Textfchwarz eingefärbt, herausgenommen, gewafchen, und dann, mit Roth verfehen, wiedereingefegt habe. Die zweifarbigen Stöcke mugten der engen Stellung wegen doch ganz pcher heraus-genommen werden. Die von Schmidt S. 170 bezeichneten Fälle, wo in der Nähe rother Typen hie undda Spuren rother Farbe auf fchwarzen Buchgaben Vorkommen, erklären geh durch das Einfegen derroth eingefärbten Verfallen. Es pflegt bei folchen Verrichtungen nicht immer ohne kleine Unfälle herzu-gehen ganz ähnlich wie bei dem oben erläuterten Auflegen der dick mit Farbe verfehenen Initial-platte auf den Verzierungsgock.

18. (zu S. 281) Es fei hier mitgetheilt, was ich über den Kegel der in den Pfalterdrucken vorkommendenTypen, Verfalien und Initialen feggegellt habe. Die Meffungen gnd derart ausgeführt, daß der betr.Kegelabgand nicht nach der Zeilenlinie, fondern nach dem Abdruck des gleichen Buchgaben ermitteltwurde. Es wurde alfo z. B. bei 10 Zeilen von einem gern, a der untergen Zeile nach einem a der elftenZeile gemeffen. Nicht zu überfehen ig bei diefem Verfahren die Auswahl der gleichen Figur. DieTypenvarianten der einzelnen Buchgaben rühren gets von eignen Stempeln her, die kleine Abweichungenin den Maßen aufweifen. Sie können daher bei Kegelmeffungen geh nicht gegenfeitig vertreten. DasSchriftbild der beiden Typengrößen deckt in der vorliegenden Zurichtung beinahe den vollen Kegel,der Unterfchied beträgt höchgens 1 Punkt. Für den normalen Text der Pfalmen, Collecten, Canticen,Hymnen ufw. ig alfo durchweg undurchfdioffener Saß anzunehmen. Zuverläffige Meffungen könnennatürlich nur an guterhaltenen Abdrücken der Originale felbg, nicht an Photographieen oder fongigenNachbildungen vorgenommen werden. Die genaue Eingellung der photographifchen Aufnahme auf diewirkliche Größe ig bei kleinen Gegengänden bekanntlich nicht leicht. Befonders aber wird das genaueMaß leicht durch die naffe Behandlung der photographifchen Papiere, die zur Herßellung von Copieenbenußt werden müffen, beeinflußt.

Die angegebenen Maße gnd typographifche Punkte nach Meterfygem, 300 Millimeter = 798 Punkte.Große Pfalter-Type in Pf. 1459, Mainz , Pergament. Mittel aller Meffungen = 39,40 P.

Kleinstes und grösstes Mass aus 15, 16, 17 und 19 Zeilen Bl. 9b, 10b, 47b, 74b, 87b = 39,23 und 39,53 P.

Einzelmessung Bl. 70b 39 P.

Große Pfalter-Type in Pf. 1490, Trier , Papier. Mittel aller Meffungen = 39,62 P.

Kleinstes und grösstes Mass aus 12, 14 und 15 Zeilen Bl. 1 la, 79b = 39,50 und 39,71 P.

Einzelmessung Bl. 154b 39,540 P.

Kleine Pfalter-Type in Pf. 1459, Mainz , Pergament. Mittel aller Meffungen = 32,23 P.

Kleinstes und grösstes Mass aus 9, 10 und 12 Zeilen Bl. 127a, 131, 134b, 135b = 32,11 .. und 32,41 P.

Einzelmessung Bl. 128a32 P.

Kleine Pfalter-Type in Pf. 1490, Trier , Papier. Mittel aller Meffungen = 32,30 P.

Kleinstes und grösstes Mass aus 10, 11 und 12 Zeilen Bl. 194b, 198b und 199a = 32,20 und 32,50 P.

Einzelmessung Bl. 199a=3232,5 P., unter Berücksichtigung des hier scharf abgedruckten untern Kegelrandes.

Maßunterfchiede, die*etwa durch fegeres oder loferes Schließen des Saßes veranlaßt fein könnten, gndmir nicht aufgefallen. Die Größe der Typen, die zudem undurchfchoffen gnd, macht diefes Vorkommenübrigens nicht wahrfcheinlich. Die Papierabdrücke gnd durchweg größer, wie die Pergamentabdrücke.Auf den Raum von 20 Zeilen (Seitenhöhe) beträgt der Unterfchied etwa 9 Punkt. Auch unter geh zeigendie Pergamentdrucke größere Maßfchwankungen, was der Natur des Pergaments und meinen Erfahr-