Druckschrift 
Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
Seite
299
Einzelbild herunterladen
 

DIE ZWEIFARBIGEN PSALTERINITIALEN. ANMERKUNGEN.

299

ungen beim Verdrucken desfelben durchaus entfpricht. Offenbar dehnt (ich die ungegerbte, fozufagennur getrocknete thierifche Haut beim Feuchten viel weniger gleichmäßig wie die ganz gleichartige, ver-filzte Maffe des Papiers; ebenfo Pergament, fofern es nicht aufgefpannt wird, beim Trockneneigenthümlichen oft fehr ungleichmäßigen Schrumpfungen unterworfen, die bei Papier nicht Vorkommen.Ich halte deshalb die an den Papierabdrücken genommenen Maße für die zuverläfßgeren.

Die ermittelten Kegelhöhen zeigen, daß die große und kleine Pfaltertype faß genau im Verhältniswie 5 : 4 zu einander ßehen; erßere bleibt für 4 Kegel um rund 3 Punkt zurück, alfo 5 Zeilen kleine =

4 Zeilen große -j- 3 Punkt. Den Maaßen der beiden Typen entfprechen natürlich die Kegel der beidenGrößen der rothen Verfallen in Uncialform; ße find, dem gefchriebenen Vorbild folgend, ohne Rückßchtauf die Linie der Texttype, auf vollen Kegel der großen und kleinen Pfaltertypen gefchnitten undgegoffen.

Die Maaße der zweifarbigen Initialen find am Mainzer Pergament-Exemplar von 1459 genommenund gelten für den rechten, gradlinigen, zum Einfeßen in den Raum von 6, 4 oder 2 Zeilen der großenTypen beßimmten Theil. Esmeffen:

Erste Größe, 6zeilig, B 240 Punkt. Zweite Größe, 4zeilig, C159 D 162 E 164 links, 159 rechts.

5 167 links, 170 rechts. Dritte Größe, 2zeilig, A82 B79 C79 D82 E82 F83, mit Zug rechts 98, G87links, 85 rechts. 184 L83, ohne die untere Linie 81. M80 N 84 0 84 P84 Q84 R83 S85 T84 U82.Die Randinitiale J bleibt außer Betracht. Die in Pf. 1490 erfcheinende neue Initiale C mißt 87 Punkte.

Aus diefen Abmeffungen der Initialen der dritten Größe ergiebt ßch der auffallende Umßand, daßbei Verwendung derfelben in jedem Falle, wo Textzeilen oberhalb und unterhalb der Initiale ßanden,an deren Typen nachgeholfen d. h. weggenommen werden mußte. Zwei Kegel der großen Typen habenßcher noch etwas weniger als 79 Punkt, welches Maaß nur B und C einhalten, während es alle übrigenInitialen bis zu 8 Punkt überfchreiten. Moderne Anfchauung wird in diefer Unßimmigkeit, ebenfo inder Ungleichheit derlnitialen unter ßch, wohl eine feltfame UngefchicklichkeitdesVerfertigers erblicken.Ich möchte mitRückßcht auf dashandfchriftliche Vorbild einen äßhetifchen Grund betonen. Dermöglichßenge Anfchluß der Initialornamente an die umgebende Textfchrift fcheint mir das erßrebte Ziel desGraveurs gewefen zu fein. Rechnet man nämlich das Fleifch der fraglichen anßoßenden Zeilen ohneBerückßchtigung derOber- und Unterlängen zu den beiden Textzeilen der Initiale hinzu, fo ergiebt ßchein Zwifdienraum von ca. 92 Punkt, in dem alle Initialen eingepaßt werden konnten. Zieht man diefe,in einer Schriftgießerei außerdem nicht fehr mühevolle Saßherrichtung in Betracht, fo erhellt, daß esbei den Abmeffungen der Initialßöcke auf 68 Punkte gar nicht ankam. Ebenfo wenig machten offen-bar die abgeßoßenen Typen Sorge, man hatte neue in Fülle; die im Kegel veränderten gelangtenin den Schmelzkeffel, wenn ße nicht hie und da doch wiederholt benußt wurden.

Es ergiebt ßch von felbß, daß das Einpaffen derlnitialen auch zu mancher gewaltfamen Löfung führte.Die Abdrücke auf den beigegebenen Tafeln zeigen einige bezeichnende Beifpiele. Zunächß die fchonoben befprochenen beiden Q Taf. 30, dann I 1459,82a Taf. 28 und N 1457,77a Taf. 29, die fcharf nachoben gefchloffen find, während E 1459,40a Taf. 28 fehr eng eingeklemmt. Wie leicht dem Seßer-Schriftgießer die Typenzurichtung war, fcheinen mir auch die Fälle zu beßätigen, wo er diefelbe fogarohne zwingenden Grund, von Schönheitsrückßchten abgefehen, bevorzugte. So ßnd z. B. die auf Taf. 25und 28 wiedergegebenen Kürzungen bei D 2. Größe 1459, 38b contritiones, bei L 1459, 83a michi mitRückßcht auf den oberhalb der Initiale verfügbaren Raum thatfächlich nicht unbedingt erforderlichgewefen. Um fo beßimmter erkennt man aus folchen Einzelheiten der Arbeitsweife unfrer Prototypo-graphen den geübten Metallarbeiter, denGoldfehmied im Sinne des 15. Jahrhunderts.

19. (zu S. 282) Der Güte des Herrn Prof. Dr. Georges in Gotha verdanke ich eine genaue Paufe diefer Stelle.

20. (zu S. 282) Es ergiebt ßch hieraus, daß die angegebenen Merkmale der Einzeldrucke nicht alle alsRegißerfehler im Sinne Schmidts, S. 172, bezeichnet werden dürfen und Schmidts Beurtheilung desEinzeldrucks eine wefentliche Einfchränkung erfahren muß. Ich ßelle die von mir beobachteten Einzel-drucke in den Pfalter-Ausgaben von 1457 und 1459 hier zufammen:

Pf. 1457. D Bl. 86 b nach dem fchwarzen Text gedruckt. Die rothe Verzierung deckt drei fchwarzeHäkchen der i von inimici; deutlich wird die linke Hälfte des erßen i-Häkchens vom kleinen rothenKreisbogen in der Ecke der D-Ornamente gedeckt.

P Bl. 36a. Den nach Fertigßellung des Textes erfolgten Einzeldruck diefer Initiale beweiß die in derlinken großen Schleife der unteren Federzüge befindliche Verleßung, die bei dem viel fpäteren, gleich-