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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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K. HABLER

beerbt hatte, fchien zunächß gar nicht gewillt, das Drucken fortzufeßen. .Allein mittler-weile hatte Bernigo das Papier aus Genua kommen laßen, und als Pliilipp Wißlandtdie Annahme verweigerte, erhob er Klage gegen diefen und erlangte ein fchiedsrichter-liches Urtheil, welches Wifjlandt zwang, wenigftens einen Theil der Lieferung abzu-nehmen . 3 Um dies nun nußbringend anzuwenden, engagierte Wyßland aufs Neue denLambert Palmart, mit ihm zugleich aber den Alfonfo Fernandez de Cordoba, der feinesZeichens Silberfchmied, fich mit der Herßellung von Typen und dann auch mit den anderenGeheimniffen der Druckerkunß vertraut gemacht hatte, und fo die befcheidenen Kennt-niffe des Lambert Palmart in erwünfchter Weife ergänzte. Das Erzeugniß ihrer gemein-famen Thätigkeit, die vom Februar 1476 bis zum März 1477 reichte, war der Druck einerBibelüberfeßung in den Valencianer Dialekt, die aber der Verfolgung durch die Inqui-fition fo vollkommen erlegen, daß man niemals mehr als ein Exemplar der Schluß-blätter davon zu fehen bekommen hat, und auch diefe find feit dem Ende des vorigenJahrhunderts fpurlos verfchwunden.

Ueber diefe eine Publikation hinaus [cheint Philipp Wißlandt ßch nidit mit dem Buch-druck befchäftigt zu haben; feine Typographen haben ßch dann felbßändig weiter bethätigt,Cordoba hat für Valencianer Patrone noch einigejahre unter ungünftigßen Verhältniffen es [chwebte ein Todesurtheil über ihm gearbeitet und dann verfchwunden. Pal-mart hat zunächß im Jahre 1478 noch einen Druck mit dem Materiale feiner Erftlings-Arbeiten hergeftellt; dann aber, als er nach mehrjähriger Paufe 1482 feine Thätigkeitwiederaufnimmt, hat er fein Material wefentlich vermehrt und vervollkommnet, undhat ßch großer Aufgaben, die an ihn herantraten, mit technifchem Gejchick und mitFleiß und Gewiffenhaftigkeit entledigt. Nidit nur Anerkennung, fondern auch materielleErfolge fcheinen nicht ausgeblieben zu fein; wir fehen ihn Hülfskräfte für feine Werk-ßätte in Dienß nehmen, fehen, wie er ßch um das Jahr 1493 zur Ruhe feßt, nachdemer eine vermögende Spanierin geheirathet hatte, die ihm als Mitgift ein Haus in Valencia mit in die Ehe brachte. Das hat er nach ihrem Tode 1496 veräußert; ob er aber danndie Stadt wieder verlaffen, oder ob auch er bald geßorben ift, hat ßch nidit ermittelnlaffen. 4

Kaum ein Jahr, nachdem Palmart und Wißlandt die erften Preffen auf fpanifchemBoden in Thätigkeit gefeßt hatten, wurde ein zweite Werkßätte in Saragoffa eröffnet.Aber dieferwar zunächß nur eine kurze Lebensdauer befchieden. Matthäus von Flandernhat nur ein einziges Buch, einen Manipulus curatorum des Guido de Monte Rotherii am15. Oktober 1475 in Saragoffa hergeftellt, dann ift er felbft unfern Blicken wieder ent-fchwunden. Audi feine Werkßätte hat in der Hauptftadt Aragoniens keinen längerenBeftand gehabt, dagegen können wir feinen Einfluß an anderer Stelle weiter verfolgen.Diefelben Typen nämlich, die Matthäus zu feinem erßen und einzigen Drucke benußthat, finden wir 1477 wieder in dem Beßße des Nikolaus Spindeier aus Zwickau in Sadifen,und des Peter Brun aus Genf in Savoyen, die am 16. Juni 1477 zu Tortofa als ihr erftesErzeugniß einen vorzüglichen Druck der Grammatik des Nicolaus Perottus herausgaben.Im folgenden Jahre find die Genoffen nach Barcelona übergefiedelt, womit ße auch indie Hauptßadt Kataloniens die neue Kunß eingeführt haben. Barcelona hat zwar denAnfpruch erhoben, daß in feinen Mauern zuerß auf fpanifchem Boden ein Buch herge-ßellt worden fei, und zwar auf Grund eines kleinen Oktavbandes, der eine Rhetorik des