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Bartolomeo Mates enthaltend, den Druckvermerk trägt: mira arte imprefla perjohannemGherling alamanum finitur Barcynone nonis octobris anni a natiuitate Chrifti 1468. 5 AlleBibliographen, die das Buch felbg gefehen haben, von dem nur ein einziges Exemplarin der Bibliothek der Akademie der fchönen Künge in Barcelona exiliert, find darineinig, dag dies kein Erftlingsdruck, kaum ein Erzeugnig der Inkunabel-Zeit fein kann.Allein bis jegt kannte man weder den Verfaffer, noch feinen Helfer Juan Matofes, unclvon dem Drucker wugte man nur, dag er 1494 in Bragaein Breviarium fürdiefe Diöcefegedruckt hatte, deflen Typen von dem Barcelonefer Druck verfchieden find, und imVergleich zu demfelben einen älteren Eindruck machen. Auch foll er am 10. Juni 1496 inMonterey ein Manuale facramentorum vollendet haben, allein trog eifriger Nachforjch-ungen ift davon kein Exemplar, felbg in Spanien nicht, aufzufinden. Erg neuerdings be-ginnt auch hier das Licht zu tagen. Ein verdienter katalonifcher Forgher, Herr SalvadorSanpere y Miquel hat in den Notariatsakten von Barcelona Dokumente entdeckt, ausdenen hervorgeht, dag Gherling in den lebten Jahren des 15. Jahrhunderts geh dortaufgehalten, und für die Cathedral-Kirche als Drucker thätig gewefen ift. Ebenfo hater eine Stiftung des Juan Matofes entdeckt, der um 1500 feine Bücher der Kirche delPino mit der Bedingung vermacht hat, dag ge dort begändig in forgfältiger Verwahrunggehalten werden. Somit weig Alles auf eine fpätere Entgehung des Büchleins hin, undwir werden kaum irren, wenn wir ftatt 1468 das Jahr 1498 als Entftehungszeit anfegen.
Somit fällt der Ruhm, die Druckerkunft nach Barcelona verpflanzt zu haben, dem Ni-kolaus Spindeier und Peter Brun zu. Aber ge haben dort nicht lange zufammen ge-arbeitet. Schon 1479 ift Spindeier ohne den Gefährten thätig, und 1481 bereits tritt unsdiefer als Gefellfchafter des katalonifchen Presbyters Pere Pofa entgegen, der, nachdemer geh wiederum fchon binnen einemjahre unabhängig gemacht hatte, von allen Spaniern,die geh vor dem Jahre 1500 die neue Kunft angeeignet haben, der produktivfte gewordenift. Den Peter Brun hat feine Wanderluft im Laufe der Jahre nach Sevilla geführt, woer uns 1492 zum dritten Male in einer anderen Vergefellghaftung begegnet. Auch diefe[cheint nicht von langem Begand gewefen zu fein. Man kannte bisher als deren Produktnur das Nobiliario des Fernan Mexia vom 30. Juni 1492; ich habe noch ein zweites Er-zeugnig ihrer gemeinfamen Thätigkeit entdeckt, das zwar weder ihren Namen noch eineJahreszahl trägt, aber mit ihren Typen gedruckt ift, und ein Signet mit den ChiffrenP. B. u. G. aufweig. 6 Das legte Lebenszeichen des Peter Brun ig der Vefpagano, den eram 25. Augug 1499 gleichfalls in Sevilla vollendet hat.
Auch Bruns Genofle, Nikolaus Spindeier, hielt nicht lange in Barcelona aus. Nach1482 verghwindet er aus der katalonifchen Hauptftadt, taucht 1484 vorübergehend inTarragona auf — auch in diefer Stadt der erge Typograph — um endlich 1490 in Va-lencia zu landen, wo er bis in das 16. Jahrhundert hinein gearbeitet hat. Nach Valencia kam Spindeier wohl kaum aus eigenem Antriebe, fondern auf den Ruf eines deutghenLandsmannes, des Buchhändlers Hans Rix von Chur, für den er feinen erften Druck indiefer Stadt vollendet hat. Hans Rix mug ein ungewöhnlich unternehmender Mann ge-wefen fein. Obwohl er bei feinem im Jahre 1490 erfolgten Tode noch ein verhältnigmägigjunger Mann war — fein Bruder und Erbe hatte die Volljährigkeit noch nicht erreicht —erftreckten geh doch feine Verbindungen einerfeits über die wichtiggen Mittelpunkte desBuchhandels in Deutfchland und Italien, andrerfeits hatte er feine Agenten in einer ganzen