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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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K. HÄBLER

Reihe fpanifcher, aragonifcher wie kaßilifcher Städte. Befonders intim waren feine Be-ziehungen zu Venedig. Dorthin entfandte er einen eigenen Agenten nicht nur zur Wahr-nehmung feiner buchhändlerifchen Intereffen, fondern ganz befonders um fich in dendortigen berühmten Offizinen in der Technik des Buchdrucks zu vervollkommnen. Undals er geworben war, hatten feine gefchäftlichen Beziehungen zu den Venetianer Firmeneinen foldien Umfang erreicht, daß Octaviano Scoto, Nikolaus von Frankfurt, HermannLiechtenßein, Paganino de Paganinis und einige andere Drucker in der Perfon des Andresde Cavaris einen befonderen Agenten nach Valencia entfandten, um die Geßhäfte abzu-wickeln. Diefer Mann berief den Nikolaus Spindeier nach Valencia und gab ihm denAuftrag, den Roman von Tirante dem Weißen für ihn zu drucken. Spindelers Typen-material erfchien ihm, obwohl derfelbe damals über 45 verfchiedene Typenforten ver-fügte, noch nicht ausreichend, fondern er befchaffte für diefen Druck ausdrücklich nochbefondere größere Lettern. In der That hat Spindeier in dem am 20. November 1490vollendeten Drucke des Tirant lo Blanch eine hervorragende Arbeit geleiftet. Er zeigtfich darin nicht nur als vorzüglicher Drucker, fondern auch als Holzßhneider, denn erhat das erße Blatt mit einer breiten, fehr zierlich entworfenen Bordüre gefchmückt, inder er gefchickt und doch wenig aufdringlich feinen Namen anzubringen gewußt hat. Rixhat die Vollendung des Druckes nicht mehr erlebt, bei feinem Tode waren erft 23 vonden 44 Lagen des Buches vollendet, das, obwohl es feinen Namen nicht nennt, dochfeinen Bemühungen um die Förderung der Druckerkunft ein fchönes, noch heute hochgefchä^tes Denkmal gefetjt hat. 7

Spindeier ift auch nach dem Tode des Hans Rix in Valencia geblieben, und feineDrucke, vielfach mit eigenartigen, vermuthlich von ihm felbft gefchnittenen Holzfchnittengefchmückt, find für die Valencianer Drucker vorbildlich geworden.

Unterdeffen waren an verfchiedenen Orten Spaniens neue Druckereien entßanden.1477 war die erße typographifche Werkßatt in Sevilla eröffnet worden. Als ihre Inhabernennen fich drei Spanier, die erft drei Werke zufammen und dann innerhalb faft einesJahrzehntes noch ebenfoviele einzeln gedruckt haben. Ihre Lehrmeißer oder ihre Auf-traggeber find aber doch wohl auch Deutfche gewefen, fonß würden fie kaum, wie diesin der Schlußfchrift des 1482 vollendeten Valera gefchieht, eine fo begeißerte Lobredeauf die Deutfchen, als die Erfinder und Verbreiter der Druckkunß gehalten haben . 8

Im Jahre 1478 wurde zum zweiten Male eine Druckerei in Saragoffa begründet. Dochwar auch diefer keine lange Lebensdauer befchieden. Wer ihr Leiter gewefen, aberbis jetjt noch nicht aufgeklärt, denn keiner der Drucke, die aus ihr hervorgegangen find,nennt feinen Namen, doch war er kein unerfahrener Meifter; er verfügt bereits überverfchiedene Typenforten und war in der Kunß des Holzfchnitts nicht ganz fremd. Daßwir von ihm, wie von manchen anderen alten Druckern nur fo wenige Arbeiten kennen,hängt vielleicht damit zufammen, daß fie in der Hauptfache mit der Herßellung vonAblaßzetteln befchäftigt waren, fo daß ihnen für das Drucken von Büchern nur wenigZeit übrig blieb. Ja, wir kennen zwei Drucker, den einen in Valencia , den andern wahr-fcheinlich in Valladolid , überhaupt nur aus folchen Ablaßbriefen, wenigftens kommenderen Typen fonß niemals in Büchern vor. 9

In Lerida begann 1479 Heinrich Botel , aus Sachfen gebürtig und dem geißlichen Standeals Presbyter angehörig, eine über 16 Jahre wenn auch in verhältnißmäßig befcheidenem