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K. HABLER
Seine Nachfolger haben aber den Ruf des Haufes hochgehalten. Georg Koch, (Coci)vielleicht aus dem Magdeburgiflhen flammend, wo einer feiner Namensvettern fleh diegleiche Umwandlung feines Namens zu eigen gemacht hat, ifl einer der berühmteflenfpanifchen Drucker des 16. Jahrhunderts gewefen. In den Alleinbefltj der Druckereiifl er etwa 1504 getreten und hat ihr bis 1537 vorgeflanden, um fle dann feinen Schwieger-fohnen zu überlaffen, die noch ein Menflhenalter lang feinen Namen fortgeführt habenals die befle Empfehlung ihres Haufes. Er war nicht ganz fo produktiv, wie fein be-kannterer Rivale in Sevilla , Jakob Kromberger; aber wenn man die Gefammtproduktiondes einen mit der des anderen zu vergleichen vermöchte, dann würde wohl, was dierein typographiflhen Vorzüge anlangt, dem beflheidenen Saragoffaner Meifler der Vor-rang vor dem berühmten Sevillaner zukommen.
Kleinere Druckereien waren inzwiflhen auch in Toledo entflanden, wo fpaniflheMeifler neben ihrer Hauptbefchäftigung, dem Druck von Ablaßbriefen, gelegentlich aucheinige Bücher herflellten, 18 und in Coria, wo ein wandernder Wallone, Bartholomäusvon Lille, intereflante Verflache machte, fleh als Typograph zu bethätigen. 19 Eine Offizinder eine bedeutendere Zukunft beflhieden war, begründete 1489 ein Franzofe ArnauldGuillen de Brocard in Pamplona. Schon in diefer Stadt hat er eine beträchtliche An-zahl von Werken gedruckt, die zwar nicht zu den hervorragendflen typographiflhenArbeiten Spaniens gehören, aber doch ihrem Urheber keine Schande machen. Im Jahre1502 ifl er dann nach Logrono, und nach dem Tode des Stanislaus von Polen nachAlcala übergefledelt, während er gleichzeitig die Druckerei in Logrono aufrecht erhielt,und die Ablaß-Druckereien zu Toledo und Valladolid pachtete. Was ihn befonders be-rühmt gemacht hat, ifl die Herflellung der Complutenfer Polyglotte. Er ifl der erfleDrucker Spaniens der neben den üblichen gothiflhen und romaniflhen Lettern auchgriechifche und hebräifche befeffen hat; daß deren Verwendung neben der typograph-iflhen auch eine gelehrte Mitarbeit erforderte, die den Meifler mit den gebildetflenMännern feiner Zeit in Berührung brachte, gereichte nicht nur ihm felbft zur Ehre,fondern auch feinem Sohne zum unmittelbaren Vortheil; er ifl durch die große Thatfeines Vaters felbft auf die Gelehrten-Laufbahn gewiefen worden. 20
Obgleich Sevilla flhon damals ein Mittelpunkt des internationalen Austausches undeine der größten Städte Spaniens war, hatte es doch bis zum Jahre 1490 nur einmalvorübergehend eine unbedeutende Buchdruckerei befeffen. Erfl dann eröffneten faßgleichzeitig zwei von deutflhen Meiflern geleitete leiftungsfähige typographiflhe Werk-flätten dort ihre Thätigkeit. Es waren vier deutflhe Gefährten: Paul von Köln, HansPegnitjer von Nürnberg, Magnus Herbft von Fils und Thomas Glöckner, die im Jahre1490 als ihr Erfllingswerk das lateiniflhe Wörterbuch des Alfonfo de Palencia, deffenDrucklegung die Königin Ifabella angeordnet hatte, herausgaben. Ihre Arbeiten laffenerkennen, daß die Drucker keine Anfänger mehr waren; fle beherrflhten nicht nur dieTechnik des ein- und zweifarbigen Druckes vollfländig, fle verflanden nicht nur, da wofleh dies wünflhenswerth machte, dem Letterndruck mit Holzfchnitten zu Hülfe zukommen, fondern fle haben auch als die erflen auf fpanifchem Boden Noten gedruckt,und zwar in mehrfacher Größe, und mit unterlegtem Texte. 21 Der Gefellflhaft in ihrerVollzähligkeit war nur eine kurze Dauer beflhieden; mit dem Ende des Jahres 1492bereits verflhwindet Paul von Köln aus derfelben, nachdem er in den 3 Jahren min-