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degens 10 Drucke an die Oeffentlichkeit zu befördern geholfen hatte. An feiner Stelleübernahm Pegnitjer die Leitung der Werkftätte, deren Produktivität fich nach und nachwieder zu einer ebenbürtigen Höhe erhob. Dag diefelbe in den erften Jahren fchein-bar nachlieg, hatte feine befondere Veranlaffung.
Der neu ernannte Erzbifchof von Granada , Juan Talavera, hatte nämlich denWunphgeäugert, in feiner Metropolitanftadt eine Druckerwerkftätte zu errichten. Schon imHerbft 1494 traf der deutfche Arzt Thomas Münzer die Drucker Jacobus Magnus deArgentina, Johannes de Spira und Jodocus de Gerlishofen dafelbft an. 22 Sie find ver-muthlich die Werkleute des Johann Pegnitjer und des Meinard Ungut gewefen, dieals Leiter der wetteifernden Sevillaner Druckereien von Talavera zu gemeinfamerThätigkeit nach Granada berufen worden find und dort am 30. April 1496 in der VitaChrifti des Francisco Jimenez eine fchöne Probe ihrer Meifterphaft abgelegt haben.
Nach feiner Rückkehr von Granada hat Pegnitjer auch die Sevillaner Werkftätte zueiner lebhafteren Thätigkeit fortgeriffen. In den Jahren 1498 und 1499 haben die trescompaneros alemanes faft ein Duzend Drucke vollendet. Mit dem Ende des Jahres1499 ift dann auch Thomas Glöckner aus der Genoffenfchaft gefchieden, ohne dag diefedeghalb ihre Thätigkeit erheblich eingefchränkt hätte. Allein nachdem im Jahre 1503 vonallen nur noch Pegnitjer allein übrig geblieben war, hat er, nachdem er noch zweiDrucke allein vollendet hatte, feine Materialien an Jakob Kromberger überlaffen, derfich unterdeffen zum Herren der rivalifierenden anderen Sevillaner Druckerei ge-macht hatte.
Meinard Ungut und Stanislaus von Polen müffen nur wenige Monate nach der zu-vorerwähnten Genoffenfchaft ihre Werkftätte in Sevilla eröffnet haben, denn ihr ergerDruck trägt das Datum des 4. Februar 1491. Sie kamen von Neapel, wo fie offenbarin der berühmten Druckerei des Matthias von Olmütj ihre Schule durchgemacht undderen Material fie nach dem Tode des früheren Prinzipals an fich gebracht hatten. 23Sie liegen es geh angelegen fein, auch am Orte ihrer neuen Thätigkeit geh das Wohl-wollen der maggebenden Kreife zu gchern, und erlangten fo von den fpaniphenHerrphern unter dem 14. März 1491 einen eigenen Schutj- und Förderungsbrief. 24Allein mehr als das empfahl ge ihre eigene Thätigkeit. Es giebt keine zweite unterden alten Druckereien Spaniens, die über eine ähnlich lange Reihe von Jahren einegleich umfängliche, ebenmägige Thätigkeit entfaltet hätte. Die Offizin des Ungut undPolonus hat noch kein volles Jahrzehnt beftanden und trotzdem wird ge lediglich vonder Druckerei des Anonymus von Salamanca an Zahl der Erzeugniffe übertroffen,deffen Thätigkeit aber hat geh über einen doppelt fo langen Zeitraum ergreckt. Tech-niph übertrifft die Sevillaner Druckerei die von Salamanca bei weitem fowohl durchdie Mannigfaltigkeit als durch die Vollendung ihrer Produkte.
Im Laufe des Jahres 1499 trat innerhalb der Druckerei eine folgenfchwere Ver-änderung ein; Meinard Ungut ift im Oktober oder November diefes Jahres dochwohl durch den Tod aus der Firma geghieden. Zunächft hat allerdings Stanislausallein eine kaum verminderte Thätigkeit entfaltet, die ihm im Jahre 1502 die ehren-volle Berufung nach Alcala de Henares eintrug, wo Cardinal Jimenez ihn als Druckerfeiner neu begründeten Academia Complutenfe in Pflicht nahm, für die er bis zu feinem1505 erfolgten Tode thätig gewefen ig. 25 Die Sevillaner Offizin wollte Stanislaus an-
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