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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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K. HABLER

fänglich trotjdem nicht aufgeben; aber er vergefellfchaftete fleh zu deren Fortführungzum zweiten Male und zwar mit Jakob Kromberger, mit dem er in den Jahren 1503 und1504 dort eine Anzahl Drucke gemeinfam herausgegeben hat. Erft der Tod des Stanis-laus hat Kromberger zum Alleininhaber der Druckerei gemacht, die unter feiner Leitungdie berühmtere von Spanien werden follte. 26

Jakob Kromberger hat offenbar mit befcheidenen Mitteln zu arbeiten begonnen, abereine eifrige und umfichtige Thätigkeit hat ihm in einer kurzen Reihe von Jahren eineeinflußreiche Stellung eingebracht. Wie viele feiner Genoffen hat er durch die Ver-mählung mit einer Spanierin in feiner Adoptivheimath feften Fuß gefaßt, und wenn aucher felbft bis an fein Lebensende fich mit Stolz einen Deutfchen zu nennen liebte, fo finddoch fchon feine Kinder der deutfchen Art merklich entfremdet, feine Enkel aber bereitsechte Spanier geworden, die in ihrer Verachtung jeglicher Gewerbsthätigkeit das groß-väterliche Gefchäft hätten zu Grunde gehen laffen, wenn der Greis nicht felbft nocheinmal deffen Leitung in feine altersfchwachen Hände genommen hätte, die fie freilich,vom Tode abgerufen, bald genug wieder aufgeben mußten. Diefe ganze fpätere Periodeder Krombergerfchen Firma ifl überhaupt nicht die Zeit ihrer höchften Blüthe, diefeliegt vielmehr in dem erflen Drittel des 16. Jahrhunderts. Schon im Jahre 1508 wurdeJakob Kromberger zum erften Male von König Manuel von Portugal nach Liffabon be-rufen, um für die beabfichtigte Drucklegung einer Gefetjfammlung feinen Rath zu er-theilen. Zum Dank für feine Dienfte wurde er am 21. Februar 1508 zum cavaleyro dacafa real ernannt, eine Begünftigung, die gleichzeitig allen Typographen in Ausficht ge-teilt wurde, die fich in Portugal niederlaffen würden. Ein zweites Mal ift er dann imJahre 1521 an den portugiefifchen Hof berufen worden, dies Mal aber nicht nur als Be-rather, fondern um felbft eine zweite Auflage der Ordena?oes do reino herzuftellen,eine Aufgabe, die er fo fehr zur Zufriedenheit des Königs ausführte, daß feiner Offizinzu Sevilla fpäterhin auch der Drude der dritten Auflage übertragen worden ift . 27

Eine andere Ruhmesthat Krombergers ift die Einführung der Buchdruckerei in dieneue Welt. Den Anlaß dazu gab der Wunfch des Bifchofs Zumarraga von Mexico, denGeglichen und Miffionaren für die Katechefe ein Hülfsbuch in der Sprache der Ein-geborenen an die Hand zu geben. Diefen Katechismus in der Nahua-Sprache begannKromberger in Sevilla zu drucken; er überzeugte fich aber bald, daß die Vollendungrafch und ficher nur da erreicht werden könne, wo die lebendige Fühlung mit derNahuatl-fprechenden Bevölkerung beftand. So entfandte er denn, unter der Leitungdes Italieners Giovanni Paoli feine Drucker nach der amerikanifchen Hauptftadt und er-richtete dort eine Filiale, die nach Johann Krombergers Tode in den Befit; Paolis über-ging und lange Jahre hindurch die einzige Druckwerkftätte der neuen Welt war . 28

Im Jahre 1490 begann noch ein anderer Drucker feine Thätigkeit, deffen Werkftattzwar niemals weder mit der eines Hurus noch eines Krombergers wetteifern konnte,der aber doch bei feinem Tode auf eine erfolgreiche vierzigjährige Thätigkeit zurück-blicken konnte. Johann Rofenbach ftammte von Heidelberg und hat feiner Vaterftadt,die er noch ziemlich jung verlaffen haben muß, in der Fremde flets eine pietätvolle Er-innerung bewahrt. Seine erften typographifchen Thaten hat er 1492 in Valencia ver-richtet, wohin er, nach feiner eigenen Angabe, fchon zwei Jahre früher gekommen war.Er hatte den Auftrag übernommen, zwei Breviare, das eine für Oviedo , das andere