Druckschrift 
Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
Seite
404
Einzelbild herunterladen
 

404

K. HABLER

1504 ift er in Valencia in den Begtj einer eigenen Offizin gelangt, die (ich aber auchnur durch wenige Jahre hindurch verfolgen lägt.

Im Jahre 1498 hat auch Peter Trincher in Valencia felbft ein Buch gedruckt, nachdemer feit einer längeren Reihe von Jahren bei faft allen typographifchen Unternehmungenin diefer Stadt feine Hände im Spiele gehabt hatte, auch fchon ein paar Mal, fo 1495 mitLope de la Roca bei der Herausgabe des gänzlich verghollenen Libre del jochs partitsvon Francisco Vicent, als Drucker mitthätig gewefen war. 33

Im nächften Jahre hat ebendort auch Chriftoph Kofman von Bafel felbftändig zu druckenbegonnen. Audi er wird zuvor fchon in dem grogen Drucker-Confortium von Dr. Alberterwähnt; er hat fich aber bald auf eigene Füge geftellt, und feine vielfach mit recht gutenHolzghnitten ausgegatteten Drucke zählen zu den begen Leiftungen an der Wende desJahrhunderts. Am berühmtegen jedoch ift er geworden durch die Herausgabe des Can-cionero des Hernando del Caftillo im Jahre 1511. Erft neuerdings haben wir erfahren,dag der Autor felbft und Lorenzo Ganoto dabei feine gefchäftlichen Theilhaber warenund dag der Druck, der heute zu den grögten bibliographifchen Seltenheiten zählt, ineiner Auflage von 1000 Exemplaren hergeftellt worden ift. 34

Die Frage ift noch immer nicht völlig aufgeklärt, ob Hans Gieger von Silgenftadt denInkunabeldruckern zuzuzählen ift. Seine ältefte datierteArbeit ift vom 15. Februar 1501 undin den erftenjahren des 16.Jahrhunderts ift er zuSalamanca augerordentlich eifrig thätiggewefen. Aber auch der Druck der Privilegien des Kolumbus mit der Beftätigung vomjahre1497 und andere undatierte Erzeugnige find mit feinen Typen gedruckt und bezeugen, dager am Ende desjahrhunderts mindeftens feine eigentliche Lehrzeit fchon hinter fich hatte. 35

Unbedeutender find die Druckwerkftätten, die von Spaniern oder anderen Fremdenin Spanien vor dem Jahre 1500 in Betrieb gefetjt worden find. Zwei Mal ift in Valladolid ein Verfuch zur Errichtung einer Druckerei gemacht worden, aber weder der FranzofeJean de Francour (1492) noch die Genoffen Pietro Giraldi und Miguel de Planes (1497)haben fich dort behauptet. Vorübergehend hat auch Juan de Burgos um die Wende desJahrhunderts in Valladolid gedruckt, feine Hauptthätigkeit aber hat er vor diefer Zeitin Burgos entfaltet; dort hat er feit 1489 dem Fadrique de Bafilea eine ungefährlicheKonkurrenz gemacht, und dort hat er auch im Jahre 1502 feine Thätigkeit beendet. Nochunbedeutender find die Leigungen des Gonzalo de la Pafera gewefen; er hat, in welchemJahre lägt geh nicht feftgellen, als zweiter Drucker von Santiago dafelbft ein Reliquien-und Ablag-Verzeichnig gedruckt, das feinen Namen trägt, auch hat er 1494 in Monterey,wohin erft nach ihmjohann Gerling gekommen ift, für den Salmantiner BuchhändlerJuan de Porras ein Miffale hergegellt. Diefer Juan de Porras hat es endlich im Jahre1500 auch zu einer eigenen Druckerei in Salamanca gebracht, die eine Reihe von Jahrenfortbeganden hat; aber keine diefer Offizinen hat eine Bedeutung erlangt.

Zu Anfang des 16. Jahrhunderts hat die Typographie auf der Pyrenäenhalbinfel eherRückjchritte, als Fortfehritte gemacht. Nachundnach haben allerdings fpanijehe Drucker gehmehr und mehr neben den Ausländern, unten denen nunmehr Franzofen und ItalienerdenDeutfchen den Rang abliefen, zur Geltung gebracht; allein (chon nachdem ergenDritteldiefes Jahrhunderts geht die Druckerkunft in Spanien überhaupt zurück. Sie vervielfältigtihre Erzeugniffe, aber ge verbeffert ge nicht mehr, die Quantität nimmt nach und nach er-heblich zu, aber die Qualität nimmt ab. Wenn wieder einmal eine Druckerei Hervor-