Druckschrift 
Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

12 I. DIE ENTWICKELUNG DER SPANISCHEN STAATL. ZAHLUNGSMITTEL.

herabzusetzen, um einen Geldexport nach dem Auslande zuerschweren. Die Verfügung lautéte, eine der Hauptursachenfür die Tilgung alles zirkulierenden Geldes sei die, den Fein-gehalt der neuen Münzen mit dem der ausländischen Münzenin ein richtiges Verhältnis zu bringen, indem man dem spanischenGelde denselben Kredit verschaffe. So befolge man das Bei-spiel anderer Nationen, welche in ihren Gesetzen für Geld einenhöheren Feingehalt angäben, als es wirklich habe. Es sei nötig,die schädliche Differenz zu beseitigen, welche im Gehalte zwischenheimischem und fremdem Gelde bestehe und von der die Aus-länder so viel Vorteil hätten."

4

Nun hatte tatsächlich im 18. Jahrhundert, für welchesüber Spaniens Geldwesen genaue Forschungen durch VicenteVazquez Queipo gemacht wurden, spanisches Geld im Auslandeeinen Kurs, der uns heute fast unverständlich erscheint. DerGeldhandel mit den beiden Ländern England und Frankreich ,welche für Spanien besonders in Betracht kamen, vollzog sichin durchaus ungewöhnlichen Formen.

Unter normalen Verhältnissen konnte der Kurs für Wechselzwischen dem damaligen Silberland Spanien und England wieFrankreich , welche in der betrachteten Zeit vor 1772 gleichfalls.Silberwährung hatten, nicht erheblich vom Münzpari abweichen.

Man hatte jedoch im Handelsverkehr seit 1730 ein kom-merzielles Wechselpari" erwählt, welches gegenüber den ValutenFrankreichs wie Englands ganz erheblich zu Ungunsten desspanischen Geldes vom Münzpari abwich. Dieses durch denHandelsbrauch tarifierte, gewohnheitsrechtliche Pari des spanischen Silbergeldes lag französischem Gelde gegenüber 71/ 2% unterdem Münzpari; im Zahlungsverkehr mit England betrachteteman sogar einen Stand der spanischen Valuta als Pari, der111/200 unter dem Münzpari lag. 1)

1) Von 1730 bis 1772 wurde die Mark Silber 11 Dineros( 916,66/ 1000)fein zu 170 Realen in Spanien ausgebracht. Die französischen Münz-stätten prägten in derselben Zeit aus der Mark Silber gleichen Feinge-haltes 49 Livres 18 Sous und zahlten den Metallhändlern dafür 48 Livres9 Sous. Der spanische Wechseldoblon, eine ideelle Rechnungseinheit