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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
Entstehung
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§ 4. DIE AUFNAHME FREMDEN METALLGELDES USW.

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es schon 1823 der Nationalbank wie den staatlichen Kassennicht anders möglich war, als in Napoleons zu zahlen.

Französisches Silbergeld kam damals durch Obstruktionin valutarische Stellung, während spanische Goldmünzen ak-zessorisches Geld wurden.

Wie sich das Finanzministerium später äußerte, ¹) zirkuliertenseit 1823 in allen Provinzen an großem Gelde nur noch Napoleons ,und alle Preise bezogen sich nicht mehr auf spanisches Gold-oder Silbergeld, sondern auf das angenommene französischeSilbergeld, und Wechselschulden, Gehälter und Steuern wurdengrößtenteils in Napoleons bezahlt.

Die Tarifierung durch die provisorische Regierung, eineMaßregel, die man als transitorische und widerrufliche zunächstangesehen hatte, war so von den weitgehendsten Folgen fürdas spanische Geldwesen.

Warum änderte aber, als kein politischer Zwang zur höherenBewertung französischen Silbergeldes mehr vorlag, die wieder-eingesetzte Regierung Ferdinand VII. den fehlerhaften Tarif nichtab? Aus folgendem Grunde:

Im Jahre 1824 war die letzte Widerstandskraft der Spanierin den Kolonien zusammengebrochen, und die Unabhängigkeitvon Kolumbien, Buenos Aires, Mexiko und Peru zum 1. Januar1825 zur definitiven Tatsache geworden. Die Einnahmen ausden überseeischen Besitzungen hörten für den spanischen Staat auf, die ökonomischen Grundlagen Spaniens waren zerstört, derStaat sah sich vor die absolute physische Notwendigkeit gestellt,seine Totalexistenz zu erneuern und sein Dasein in andererWeise zu begründen.

Aber anstatt die reichen Kräfte des eigenen Landes zuentfalten, statt durchgreifende Steuerreformen vorzunehmen, nahmder spanische Staat nun gewaltige Anleihen bei Frankreich auf und gab sich damit vollständig in die Hände seines mächtigenNachbars.

Die französichen Kreditgeber lieferten aber das in Frankreich

1 ) Gazeta de Madrid vom 29. 3. 1847 und 2. 6. 1847.