§ 11. UNVOLLST. MASSNAHMEN Z. DURCHFÜHRUNG D. GOLDWÄHRG.
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Bargeldzirkulation in Spanien führen. Gold wurde nicht mehrgeprägt, und Goldgeld mit metallopolischem Agio wurde zirku-latorisch nicht mehr verwendet und zum großen Teile thesau-riert. Man hatte in Spanien, namentlich in den agrarischenProvinzen, seit alter Zeit eine große Neigung dazu. ¹) Da dieintervalutarischen Kurse der Goldländer nicht ungünstig fürSpanien lagen, wurde ein Goldexport im großen Maßstabe nochvermieden.
Bisher zurückgehaltene Silberstücke drängten sich nun aberin die Zirkulation, die im Jahre 1874 neben 1100 MillionenPesetas in Goldgeld schon 300 Millionen Pesetas an Silbergeldaufgewiesen haben soll. 2)
Andererseits brachte die Silberfreiprägung den Silber-händlern großen Vorteil, sie steigerten die Einfuhr von Silber-metall und brachten es zu der Münzstätte, die es zu dem alten.Preise von 220 Pesetas pro Kilogramm fein ankaufen mußte.
Die Prägungen von Silberkurantgeld steigerten sich in-folgedessen von 14,35 Millionen Pesetas im Jahre 1873
auf 25,37
58,20
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Angesichts des Übertretens großer Handelsmächte in dieGruppe der Goldländer entschloß sich nun die spanische Re-gierung, aus ihrer exceptionellen Stellung herauszukommen.Denn Deutschland hatte im Jahre 1871 die freie Silberprägungeingestellt und war im Jahre 1873 zur Reichsgoldwährung über-gegangen, die drei Skandinavischen Staaten wurden 1872 Gold-länder, Holland prägte seit 1874 keine Silberkurantmünzenmehr aus, und die Staaten der lateinischen Union, zunächst
1) Schon 1834 berichtete Borrego: ,, Ein jeder, welcher mit Spaniens Verhältnissen vertraut ist, kennt die allgemeine Sitte der Landleute, ihrGeld zu vergraben. In den Städten pflegen reichere Privatleute ihr Geldebenfalls zu verbergen, weil sie nicht wissen, wie sie es anlegen sollen.
Diese Sitte hielt sich bis in die achtziger Jahre des 19. Jahr-hunderts, bis zu der Zeit, in welcher die Bank von Spanien viele Filialenim Lande anlegte und als Geldinstitut größere Bedeutung gewann.
2) Barthe y Barthe, La crisis monetaria, Madrid 1905, Seite 35.