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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
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III. ENTWICKELUNG DER WÄHRUNG IN DER ZEIT VON 1868-1883.

vollständig von der Zentralkasse abhing, verhinderten aber einegrößere Ausdehnung der Noten. ¹) Zahlungen durch Banknotenvon einem Provinzort zum andern waren dadurch sehr er-schwert.

Auch war die Deckung der Banknote wohl nicht dazugeeignet, Vertrauen auf die Aufrechterhaltung der Barzahlungenzu erwecken. Denn neben der Viertelsdeckung in Metall wurden.nicht nur kurzfällige Wechsel und Lombardunterpfänder alsGarantie für die Banknoten und Depositen benutzt, sondern dieBank hatte in den Jahren 1877 und 1878 einen großen Teilihres Portefeuilles in langfristigen Wechseln und Schatzscheinen.festgelegt. Andererseits hatte sie öfters längere Zeit Goldbarrenbei der Münze zu Madrid zwecks Prägung immobilisiert, sodaß die Einlösungen der Banknoten in Goldgeld nicht stets invollem Umfange aufrecht erhalten werden konnten.2)

Waren dies auch nur vorübergehende Erscheinungen, sotrugen sie doch dazu bei, daß das Banknotengeld nicht dieAusdehnung erreichte, die man wohl hätte erwarten sollen.

Im Jahre 1881 war sogar der Bank durch das Konversions-gesetz vom Staate gestattet worden, die ganze statutarischemetallisch nicht gedeckte Notenemission mit 4% igen amor-tisierbaren Renten, mit Staatsschatzscheinen und Aktien der inengster Verbindung mit dem Staate stehenden Tabaksgesellschaft.zu decken. Gerade aber der Umstand, daß die Bank sich nicht.auf sichere Geschäfte beschränkte, sondern sich in starkem Maßevom Staate in Anspruch nehmen und sich Goldgeld von ihm ab-

1) Joaquin María Sanromá, Mitglied der ständigen Währungskom-mission, sprach sich noch 1881 in seiner Schrift ,, La conferencia mone-taria de 1881" über die spanischen Banknoten aus, wie folgt: Unserefiduziäre Zirkulation ist noch sehr gering; wir haben keine Einheit derBanknote( wegen der Domizilierungen), und die Noten einiger Filialen.der Bank akklimatisieren sich sehr schwer."

2) Anlagen der Bank in langfristigen Schatzscheinen und Immo-bilisierung von Metallbarren bei der Münze für längere Zeiträume gabenVeranlassung zu den berüchtigten ,, colas" der Jahre 1877 und 1878, d. h.zu Schwänzen oder Ansammlungen vor den Bankschaltern von Leuten,welche Banknoten in Metall ausgezahlt haben wollten.