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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
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§ 12. DAS SINKEN DES PESETAKURSES.

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ein ständiger verhängnisvoller Kreislauf ergeben mußte. Beiden dadurch hervorgerufenen Schwankungen mußte der gesamteVerkehr viel mehr leiden, als wenn eine Stabilisierung derWechselkurse auf einem bestimmten Punkte, wenn auch nichtauf dem durch die Verhältnisse unmöglich gemachten Pari-stande, erfolgte.

Hatte der spanische Staat in der Friedenszeit keine Maß-nahmen zur Regulierung der Währung ergriffen, so wurden beiden vier Jahre lang den Staat in Anspruch nehmenden Kolonial-kriegen exodromische Maßregeln unmöglich gemacht.

Im März 1895 begann der Separationskrieg auf Cuba und zwang den spanischen Staat zu gewaltigen Kriegsausgaben,während gleichzeitig der größte Teil der Einnahmen aus denKolonien wegfiel. Die Kosten des Krieges für Kriegsmaterialwaren teilweise im Auslande zu bestreiten und zwangen denStaat zu Ankäufen von Golddevisen.

Das Mißgeschick des spanischen Staates mehrte sich sehr,denn auch im Innern des Landes, in Valencia, brachen imAugust 1895 Unruhen aus, in Cuba kämpfte man mit Miẞ-erfolgen, und im Jahre 1896 erhoben sich auch die Bewohner.der Philippinen.

Anleihen, welche darauf Spanien im Dezember 1896 beiFrankreich aufzunehmen suchte, scheiterten an den unerschwing-lichen Forderungen französischer Bankiers, so daß die spanischeRegierung sämtliche Ausgaben durch innere Anleihen bestreitenmußte. Fremde Zahlungsmittel kamen nicht ins Land, undSpanier suchten Anlagen in andern Ländern, namentlich im.benachbarten Frankreich. Das Agio erhob sich bei solch un-glücklicher Lage der spanischen Finanzen, da auch spanischePapiere von Franzosen ständig verkauft wurden, im Jahre 1897auf 33,90%.

Die Geldpolitik mußte bei der Not des Staates gänzlichder Finanzpolitik untergeordnet werden. Die Bank von Spanien wurde vom Staate dabei vollkommen in Anspruch genommen.Zunächst entzog ihr der Staat, um das Agio zu umgehen, einengroßen Teil ihrer Silberbestände, die nach Cuba zwecks Be-