1000
230 IV. DIE INTERVALUTARISCHEN BEZIEHUNGEN DER PESETA SEIT 1883.
Aber objektiv betrachtet lag unzweifelhaft ein volkswirt-schaftlicher Nachteil in dem unmäßig hohen Agio. Spanienwar zur Entfaltung seiner Industrie auf die Einfuhr von Roh-stoffen und Fabrikaten zu sehr angewiesen, um dauernd vomAgio Vorteil zu haben. Für Importeure und Konsumenten aus-ländischer Waren und für die mit ausländischem Kapital ge-gründeten Industrie- Gesellschaften war der hohe Frankenkursein großer Nachteil. Ferner blieb bei hohem und stark schwan-kendem Agio schon lange Jahre ausländisches Kapital demLande fern, das zur Erschließung Spaniens durchaus nötig war.
Die größten Nachteile vom hohen Frankenkurse hatte derStaat als stärkster Auslandsschuldner. Er hatte die Zinsen deräußern 4% Anleihen, der Kolonial- Anleihen und einen großenTeil der Kriegskosten in den Jahren 1896--1898 in Gold auf-gebracht und aus diesen Anlässen 107 Millionen Franken,2 932 000 Pfund Sterling, 9 447 000 Mark, 4,1 Millionen Gold-pesos vermittelst der Bank ankaufen und dafür 277 MillionenPesetas unter einem mittleren Agioverlust von 30% zahlenmüssen. ¹) Durch seine Golddevisenkäufe hatte er zu dem hohenStande der Franken viel beigetragen.
Da der Fiskus durch die Bezahlung der Zinsen der äußernRenten in Goldgeld ständig große Verluste erlitt und das Agioherabdrücken wollte, entschloß sich die Regierung im Mai 18982)innerhalb der ärgsten Kriegs- und Finanznot, von nun an In-ländern Zinsen der äußern Rente nur noch in einheimischemvalutarischen Gelde zu zahlen. Um sich aber den ausländischenKredit nicht vollständig zu verscherzen, garantierte der Staatdurch Gesetz vom 9. August 1898 den ausländischen Renten-gläubigern wie in Spanien lebenden Ausländern die fernere 3)Zinszahlung der 4% äußern Rente in Goldgeld.
1) Jiménez y Rodriguez, La crisis monetaria, Madrid 1905 , Seite 180.2) Dekret vom 17. Mai 1898, Col. legislat. Jahrg. 1898.
3) Die 1882 geschaffene 4% äußere spanische Rente war unterder Verpflichtung gegenüber dem Council of foreign bondholders kreiertworden, daß die Zinszahlung in Gold geschehen und daß die Rente inZukunft von jeder Couponssteuer ausgeschlossen sein sollte.