§ 13. ERFOLGLOSE VERSUCHE ZUR BESSERUNG DES PESETAKURSES. 237
Der tatkräftige Finanzminister Villaverde nahm sofort eineumfassende Steuerreform vor, wodurch im Rechnungsjahr1899/1900 das bisherige chronische Defizit verschwand. Gab esin der finanziellen Geschichte Spaniens in der ganzen Epochevon 1850-1899 nur drei defizitlose Budgets, so trat jetzt.ein Wendepunkt ein; der Staatshaushalt wies in den Jahren1899/1900 bis 1907 inkl. folgende Überschüsse auf: 771/2, 883/4,36, 47, 221/4, 54, 6614, 1013/4, 702 Millionen Pesetas. 1)
Gleich im ersten Jahre dieser sich ergebenden Mehrein-nahmen entschloß sich die Regierung, diese zu teilweisen Rück-zahlungen ihrer Schulden bei der Bank zu verwenden, undglaubte dadurch eine Besserung der Währungsverhältnisse her-beiführen zu können.
Die Valutaregulierung war jetzt eins der Schlagworte derRegierung. Sie bildete unter dem Komplexe der Probleme, welchesich Spanien zu lösen vorgenommen hatte, das schwierigste undwichtigste.
können?
Die leitenden Staatsmänner standen durchaus unter demEinfluß der klassischen Nationalökonomie und lagen im Banneder von den französischen Ökonomisten verbreiteten Doktrinen.Die französischen Währungs- und Finanzpolitiker hatten seit Er-scheinen eines ständigen Agios in Spanien stets Mahnungen an ihre westlichen Nachbarn gesandt, sie sollten die notalen Zahlungs-mittel nicht ausdehnen . Sie stellten von vornherein den Satzauf, daß auf eine Ausdehnung der papiernen Umlaufsmittel einSinken der Peseta folgen müsse und daß bei einer Reduzierungder Notenmenge eine Besserung im Stande der Peseta gegen-
1) Notiz der Frankfurter Zeitung Nr. 183 vom 5. Juli 1910 überSpaniens Staatshaushalt 1890/91 bis 1907.
Bemerkt sei, daß das Rechnungsjahr 1899/1900 nur sechs Monateumfaßte und daß seit 1900 das Fiskaljahr auf das Kalenderjahr verlegtwurde. Im Jahre 1909 ergab das Budget zum ersten Male seit 1900infolge der Marokkokampagne ein Defizit und zwar von 31/3 MillionenPesetas, doch wurde dies im folgenden Jahre wieder ausgeglichen.
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