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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
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IV. DIE INTERVALUTARISCHEN BEZIEHUNGEN DER PESETA SEIT 1883.

über dem Franken eintrete. Die herrschende Meinung war, daßdie handelspolitische schwache Stellung Spaniens und die Ver-schuldung des Staates ans Ausland nur sekundäre Ursachen fürdie Währungskrisis Spaniens bildeten; man glaubte, Warenimportund Export würden sich automatisch regulieren, wenn die Geld-zirkulation nicht übertrieben sei, und hielt eine Intervention derRegierung zur Besserung der Währungsverhältnisse nur insofernfür nötig, als sie für Einschränkung der notalen Zahlungsmittelsorgen sollte.

Solange man nun in Spanien in finanzieller Not die währungs-politischen Pläne den finanzpolitischen hatte unterordnen müssen,hatten die Ratschläge der orthodoxen Schule kein Gehör gefunden.Als aber die Finanzen des Staates einigermaßen geordnet wordenwaren, erklärte sich die spanische Regierung wie die große Mehr-zahl spanischer Finanzleute mit jenen Vorschlägen einverstanden.

Der Finanzminister hoffte bei einer Beschränkung desNotenumlaufs von 1500 Millionen Pesetas( Mitte des Jahres 1899)auf 1300 Millionen Pesetas, eine Zirkulation, welche vor demKriege mit Amerika bestanden hatte, das Frankenagio leichtum 10-1500 bis auf etwa 15% herabdrücken zu können. Erzahlte deshalb im Jahre 1899 167 Millionen Pesetas der Kolonial-schulden von 1111 Millionen Pesetas an die Bank zurück. Fernernahm er im Jahre 1900 eine innere Anleihe auf, 1) um aus einem

¹) Diese neue 5% oige amortisable Anleihe betrug 1200 MillionenPesetas. Um sie günstig unterzubringen, wurde im Mai 1900 von derBank von Spanien der Diskontsatz von 4 % auf 312% herabgesetzt. DieDiskontherabsetzung wurde im Auslande, namentlich in Frankreich, heftigangegriffen, wohl mit Unrecht, denn bei der so heftig schwankendenValuta konnte die Diskontpolitik der Wechselkursregulierung wenig nützen.Auf welche Höhe sollte man den Diskont setzen, damit sich das Auslandentschließen konnte, trotz der geringen Stabilität des spanischen Wechsel-kurses Geld einzuführen?

Diskonterhöhungen konnten damals in Spanien nicht dieselbeWirkung haben wie in Deutschland, England und Frankreich , denn fürKapitalsübertragungen vom Auslande nach Spanien kamen in erster Liniedie schwankenden Wechselkurse in Frage, die Höhe des Diskontsatzeswurde erst an zweiter Stelle dafür maßgebend.