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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
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242 IV. DIE INTERVALUTARISCHEN BEZIEHUNGEN DER PESETA SEIT 1883.

strebenden Devisengeschäfte. Bank und Staatsschatzamt", soäußerte sich der spätere Ministerpräsident Moret in der Sitzungder Deputiertenkammer vom 5. Januar 1901, kämpften wie zweiwilde Tiere, von denen das eine das andere zu verschlingensuchte, das wiederum unerhörte Anstrengungen machte, sichvon jenem zu befreien".

Eine Besserung der Währungsverhältnisse war unter solchenUmständen kaum zu erwarten. In den Jahren 1900 und 1901waren infolge ungünstiger wirtschaftlicher Verhältnisse dieFrankenkurse ständig gestiegen; der südafrikanische Krieg hatteim Jahre 1900 zu einer allgemeinen Goldverteuerung geführt,Handels- und Börsenkrisen auf den andern Märkten hatten denBezug von Rohstoffen, namentlich von Kohle und Baumwollefür Spanien erschwert, so daß die Textil- und Mühlen- Industriedes Landes vollständig darniederlag. Außerdem machten sichjetzt für den Handel nach dem Verlust der Kolonien Absatz-schwierigkeiten ¹) von Fabrikaten bemerkbar. So hatte infolgeungünstiger pantopolischer Verhältnisse und spekulativer Treibe-reien das Agio im November 1901 wieder eine Höhe von42% erreicht.

Trotzdem hatte die Regierung die Hoffnung, sie könne inkurzer Zeit die Barzahlungen in Gold wieder aufnehmen underklärte, daß sie die Finanzlage des Staates nicht eher als ge-festigt ansähe, bis die Goldwährung eingeführt sei. Zunächstsollte jedoch die Valuta verbessert werden. Ein in dieser Richtungunternommener Versuch bildete die Einstellung der Silber-prägung durch den Staat.

Durch Gesetz vom 28. November 1901 wurde durch dieCortes dekretiert, daß die Erwerbung von Silberbarren durchdas Schatzamt und die Prägung von silbernen 5- Pesetenstückenfür Rechnung des Staates für die Zukunft verboten sei. Fernerwurde bestimmt, daß das Silberscheidegeld zu 2, 1 und 0,50

1) Der Umstand, daß jetzt die amerikanische Währung in denfrüheren spanischen Kolonien herrschte, trug erheblich zur Erschwerungder Handelsbeziehungen mit ihnen bei.