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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
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§ 14. DIE REGULIERUNGEN DES PESETAKURSES DURCH DEN STAAT. 285

Entweder könnte man in Spanien wie in Italien , mitdessen Geldwesen, finanzieller und ökonomischer Lage der letztenJahrzehnte Spanien große Ähnlichkeiten hat, durch allmählicheAufbesserung der Zahlungsbilanz und durch ständige Über-wachung und Regulierung des Kurses den durch das Münzparigegebenen Paristand wieder herstellen. Vielleicht gehen dieBestrebungen der Regierung dahin. Herrscht doch noch inSpanien ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit mit denübrigen romanischen Ländern und hat man doch stets nacheinem Eintritt in den lateinischen Münzbund gestrebt, den mannach Beseitigung des Agios erst vollziehen zu können glaubt. 1)Die Agiobeseitigung läge vielleicht auch im Interesse desspanischen Staatskredites, da die Hauptgläubiger und Haupt-kreditgeber des Landes, die Franzosen, ihr Vertrauen Spanien wohl im reichsten Maße wie in früheren Jahren zuwendenwürden. Die Inhaber der spanischen inneren Anleihen inFrankreich , welche anläßlich des rapiden Fallens des Franken-agios im Jahre 1906 spanische Interiors sehr begehrten, würdenwohl diese Anleihen in verstärktem Maße kaufen, sobald sieden ernstlichen Willen der spanischen Regierung sähen, denKurs auf den Paristand zu bringen und dort festzuhalten.

Ein zweiter Weg der endgültigen Währungsregulierungwäre für Spanien durch das Beispiel Österreichs und Rußlandsvorgezeichnet. Ebenso wie diese Staaten könnte Spanien einen Teil des Agios unbeseitigt lassen und das Frankenagio auf einerbestimmten Höhe festlegen, über welcher innerhalb eines ge-wissen Spielraums der Staat oder die Bank jede gewünschteMenge an Franken verkauft und unterhalb welcher gleichzeitig

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1) Trotz der heute bei Sachverständigen anderer Länder herrschendenAbgeneigtheit zu internationalen Abkommen über Währungsfragen ist.man in Spanien zu Verträgen mit der lateinischen Union durchaus ge-neigt. Noch in dem allerdings nicht angenommenen Projekt desFinanzministeriums über eine Bank- und Währungsreform vom Jahre 1908sprach sich der Finanzminister Besada dahin aus, daß die GeldpolitikSpaniens dahin gehen müsse, den Eintritt in die lateinische Union vor-zubereiten.