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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
Entstehung
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286 IV. DIE INTERVALUTARISCHEN BEZIEHUNGEN DER PESETA SEIT 1883.

mit einem bestimmten Spielraum alle Frankenwechsel angekauftwerden. Die Befestigung des Kurses könnte Spanien ebenso.wie Österreich auf einen Stand beziehen, der dem Durchschnitts-kurs einer genügend langen Zeit entspricht, dem Durchschnitts-kurs von günstigen und ungünstigen Jahren; auf diese Weisewären wohl die Interessen von Exporteuren und Importeuren,für welche ja die Währungsfragen stark in Betracht kommen,gleichmäßig und gerecht gewahrt.

Die der spanischen Regierung namentlich zu Zeiten einesbedeutend höheren Agiostandes, z. B. 1903 und Anfang 1906,von verschiedenen Seiten gegebenen Ratschläge, das Agio teil-weise unbeseitigt zu lassen, sind aber bisher vom Staate nichtin Erwägung gezogen worden. Für Spanien selbst würde freilicheine solche Währungsreform mit geringern Opfern verbundensein als eine langsame Senkung des Frankenkurses, der spanischeStaatskredit im Auslande würde wohl aber erheblich darunterleiden.

Für beide Fälle jedoch, nach der Erreichung des Pari-standes durch allmähliche Senkung des Agios wie für die Fest-haltung des Kurses auf einem gewissen Stande über dem früherenPari, bliebe die Sicherung des Kurses nach außen durch De-visenpolitik des Staates oder der Bank die Hauptsache.

Da aber die bisherige erfolgreiche Währungspolitik derDevisenverkäufe ganz dem freien Ermessen des Finanzministersanheimgestellt war und noch ist, eine Änderung bei dem ständigenMinisterwechsel in Spanien immerhin möglich wäre, so sindvielleicht die in den letzten Jahren erhobenen Forderungen derPresse, durch Gesetz das Schatzamt oder die Bank zur Wechsel-kursregulierung zu verpflichten, nicht ganz unbegründet.

Eine hinreichende Reserve, um die Regulierung durch-zuführen, dürfte bei einem Bestand der jetzigen besseren wirt-schaftlichen Lage des Landes bereits durch die sich stets er-neuernden Goldbestände des Schatzamtes infolge der Goldzöllegegeben sein. Bei einem Rückgang der handelspolitischenStellung könnten aber die Quellen des Reichtums zur Wohlfahrtdes Landes noch weiter erschlossen werden, denn noch immer