Ausgabe 
(7.1.1822) 6
 
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Petersburgs den n. Dez.Die Kriegszeitung giebt ausdeutschen Blättern einen belehrenden Bericht fürdiejenigen, welche es in dieser entscheidenden Periode sich sehr angelegen seyn lassen,die inneren Kräfte des türkischen Reichs möglichst herabzusetzen, nicht beachtend,daß sie dadurch der Sache, welcher sie zu dienen vcrmcynen, eher schaden als nü-tzen.Stolze Verachtimg seines Gegners ist gemeiniglich der Vorbote einer sichernNiederlage." Das sehnlichst crwarcere Manifest ist bis jetzr noch nicht erschie-nen; der Krieg bleibt indeß unbezweifelt. Die allgemeine Meynung, wie der all-gemeine Wunsch sprechen sich in ganz Nußland laut dahin aus. Die Russen wer-den diesen Krieg wegen Zerstörung der Kirche ihrer Glaubensgenossen für eine hei»ligen Krieg halten, und wie Löwen fechten. Am Z. dieß ist der Befehl ertheiltworden, 12 Regimenter Kosacken zu Uhlanen zu organrsiren. '

Von der Weichsel , den. Dez.Ein merkwürdiges Naturereignis; hatte zu Krakau am Zo. Nov. Statt. Ge-gen 4 Uhr ficng es zeitweise zu regnen an, bis zwischen 4 und 5 Uhr von NordostBlitze, Anfangs von leichtem Donner, bald aber von heftigen Donnerschlägen,Sturme und leichtem Hagel begleitet, bemerkt wurden. Als die schwarzen Wolkenseitwärts der Stadt vorüber zogen, gieng die Sonne in solcher Helle und mit einemso eigenen Lichte unter, daß Häuser und Thürme von weißem Feuer erleuchtet schie-nen. Eine Viertelstnnde später erhob sich ein heftiger Sturm, und Blitze und Donnerleuchteten und brüllten ringsum. Leute, die eben auf dem Wege nach Krakau wa-ren, können das Schaudervolle und Gefährliche dieses Naturereignisses nicht ge-nug beschreiben. Das Feuer schien vom Himmel nieder - uud wieder aufzusteigen,und zeigte sich in den Farben des bengalischen Feuers; auch bemerkte man von derOst - und Nordseite viele in Flammen stehende Gebäude.

Vom Mayn, den z. Jan.Unter der Aufschrift: Frankfurt , den 27. Dez. schreibt der niederrheinischeKurier:Ich habe Ihnen eine große Neuigkeit zu melden.Der Krieg gegendie Türken ist, in vollkommenem Einverständnisse der 5 großen Mächte, beschlossenworden."" So lauten nämlich durch außcrordencliche Gelegenheit hier ange-langte Briefe aus Wien , deren Glaubwürdigkeit nicht zu bezweifeln sind. Indes-sen scheint es, daß diese Nachricht vielmehr einen veränderten Entschluß des öster-reichischen Kabinets anzeigen, als daß ein förmlicher, vom russischen Kaiser rati-fizirter Vertrag der 5 großen Mächte abgeschlossen sey. Auch kann das Einversiänd-niß sich wohl nicht weiter als auf denZweck" erstrecken. Sollte dieser erreichtseyn, dann dürften, bey einer etwaigenTheilung", sich die größten Schwierig-keiten ergeben. Auch ist nicht abzusehen, welche Entschädigungen Frankreich undPreußen, bey den gemeinschaftlichen Anstrengungen, erhalten sollten. Dem seynun, wie ihm wolle, so ist wenigstens so viel gewiß, daß Fürst Metternich sichschmeichelt, die bisherige Einigkeit der 5 großen Mächte werde durch den Krieg ge-gen die Türken nicht gestört werden ; vielmehr soll diese Einigkeit im anderweitigenKampf gegen unruhige Völker neu befestigt werden.

Trient , den 2 z. Dez.Nach zwey Monaten eines beständigen, von keinemWolkchen getrübten zwey-ten Frühlings, wo Blumen im Freyen, und allenthalben frisches Gras sich zeigte,auch noch immer Schmetterlinge herum flatterten, finden wir uns seit zwey Tagenauf einmal im tiefen Winter. Dieser begann also Heuer ganz richtig mit der in Ka-lendern ausgesprochenen Angabe des Winter - Anfangs.

. Bregenz , den 25. Dez.In der verflossenen Nacht wüthete in der hiesigen Gegend ein fürchterlicherSturm, der Dächer abtrug. Bäume entwurzelte, und auch auf dem Bodensee be-deutenden Schaden angerichtet haben dürfte.