Beilage 
(24.1.1822) 21 [Beilage]
 
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Griechen ermordet wurden. Die Franken wurden respektirt, weder die Botschaf-ter noch ihre Leute im Geringsten belästigt. Der neue Kapudan-Pascha kamzwen-mal an Bord desPapillon, und ertheilte die Versicherung, daß die Franzosen kom-men, und ihren Handel ungestört treiben könnten. Zwey andere unserer Schiffebefanden sich wirklich in Ladung. Der Kapitän Teissere, Kommandant des Papillon,durchstreifte taglich die Straßen von Konstantinopel, und wurde nie beleidigt. Dietürkische Flotte lag zum Theil vor Konstantinopel, zum Theil in den Dardanellen,um sich auszuruhen, sie hatte etwa 30 bis 40 griechische Fahrzeuge als Trophäe»mitgebracht. Der französische Botschafter wurde sehnlichst erwartet. Der Sultanbefand sich in vollkommenem Wohlseyn; es war weder von seincm noch von seinesSohnes Tode die Rede." Die Frau Herzogin von Orleans ist Abends nach9 Uhr von einem Prinzen glücklich entbunden worden, der sogleich durch den Pfar-rer von St. Roch die Nothtaufe und die Namen: Heinrich Eugen Philipp Louisvon Orleans, Herzog von Aumäle, erhielt.

Königsberg, den 16. Jan.

Von den im Dezember eingekommenen Schiffen waren mehrere nicht auf un-sere Haven bestimmt, sondern mußten nur aus Noth einlaufen. In Vergleich dervielen Unglücksfälle, welche die Stürme in andern Häven verursacht haben, sindhier nur wenige vorgefallen. Es strandeten nur 2 Schiffe, und zwar bey Memeldas von Kopenhagen mit Ballast eingekommene Schiff Zeno,Kap. Hinderson; dieMannschaft ward gerettet; und dann das, inNordcrney zu Hause gehörige, unterhannöverscher Flagge, von Pillau mit Leinsaat ausgegangene, nach London bestimmteSchiff, de Jounge Jakob, Kap. I. H. Bethmann. Dieß Schiff zerschellte sogleichin Trümmern, seine Bemannung ward weder tod noch lebendig vorgefunden.

London , den ii. Jan.

Die heutigen Times sagen: Wir haben durch Kurier einen Brief erhalten,in dem angezeigt wird, daß der Kaiser Alexander seinen Schwager, den König vonWürtemberg, aufgefordert habe, das Kommando der polnischen Armee zu über-nehmen, im Fall der Krieg zwischen Rußland und der Türkei ) ausbrechcn sollte.Der König wird am 1. Febr. hier erwartet, um das Parlament persönlich zu eröff-nen. Der Kurier sagt:Wir haben Nachrichten aus Petersburg bis zum30. Dez., und sie sind wichtig, indem sie keinen Zweifel lassen, daß die Pforte daSrussische Ultimatum nicht angenommen habe; wenigstens hatte man zu selbigerZeit keine Nachricht davon zu Petersburg ; die Schreiben sind entschieden für Krieg,und kündigen an, daß seit einiger Zeit kein Verkehr zwischen Rußland und Kon-stantinopel war. Briefe aus Odessa vom iS. Dez. sind voll Auseinandersetzungenvon den letzten Unruhen zu Konsiantinopel, welche viel größer zu seyn scheinen,als man glaubte. Alle Briefe von Wien und Frankfurt sind auch für Krieg."UnsereVerhaltnisse zu der Türkey betreffend, istzu bedenken, daß, was auch immsrder Karakter der Türkey und ihrer Negierung seyn mag, sie doch äe taew eine un-abhängige Macht in Europa ist, und eine eigenthümliche Stelle auszufüllen hat.Sie kann nicht fallen, ohne daß dadurch die allgemeine Ordnung gestört werde.Besonders fordert es Englands Wohl, daß die Türkey die nöthige Macht behalte.Unter den gegenwärtigen Umständen ist es sogar zu diesem Zwecke eher nöthig, dieseMacht zu verstärken, als zu schwächen; denn die Wirksamkeit der Türkei ) ist durch2 gewichtige Umstände gelähmt; durch ihre innere Zwietracht und durch den eige-nen Karakter ihrer Militärmacht. Nach diesen Betrachtungen werden wahr-scheinlich die Instruktionen des brittischen Ministers in Konstantinvpel abgefaßtseyn. Er wird wahrscheinlich beauftragt seyn, die Aufhebung des barbarischenund fanatischen Korps der Janitscharen, die nach den eigenen Versicherungen derPforte die bcste Bürgschaft gegen künftige Ausschweifungen seyn würde, zu unter-stützen. BeÄuntlich bilden die Janitscharen ein stehendes, von der Negierung un?