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Das Geld : Darlegung der Grundlehren von dem Gelde, insbesondere der wirtschaftlichen und der rechtsgiltigen Functionen des Geldes, mit einer Erörterung über das Kapital und die Übertragung der Nutzungen / von Karl Knies
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schaftlichen Wert sein. Es darf unbedingt als ein selbstverständ-lich absurder Gedanke gelten, dass wir den wirtschaftlichen Werteines Hauses u. s. w. etwa in einem Quantum Luft, Welken, Tages-helle u. s. w. oder in bloßen Grammen, Litern, nach geographischenMeilen, in Graden Celsius, unbenannten Zahlen u. dergl. sollen be-messen können.

Hiernach sind jedoch ebensowohl die Unterschiede zu beach-ten, welche zwischen dem Wert-Messungsmittel, als welches dasGeld gebraucht wird, und den Maßstäben (Etalons, Standards) fürLängen, Flächen u. s. w. vorfindlich sind Unterschiede, derenÜbersehen gleichfalls wichtige Misverständnisse verursacht hat.

Vor Allem zeigt sich, dass konkrete Edelmetallstiicke an sichkein Werkzeug, kein Messmittel für eine Größenbestimmung dar-stellen. Sie sind materielle Gegenstände, welche alsRohstoffe(als vertretbare Güter mit Stoffwert ohne Form wert) verwendet wer-den und ihre Vergleichung unter einander durch die Feststellungihres Gewichtes finden. Die als Geld für Wertmessung zu ge-brauchenden Edelmetallstücke werden also zunächst selbst durchBestimmung ihres Gewichtes gemessen. Dies geschieht abernicht um die Edelmetallstücke ihrerseits zur Gewichtsbestimmung ananderen Gegenständen zu gebrauchen etwa wie man einen Metall-stab als einen Meter lang oder ein Eisenstück als ein Pfund schwer

Berlin 1860, gestattet es nicht, dass man die Irrung Mommsens in betreff deroben besprochenen Thatsache ohne besondere Erwähnung lasse.Geeigneternoch als edle Metalle (liest man in der Vorrede zu jenem Werke, S. VI) und inder That der an sich beste Wertausdruck ist das Zeichengeld, das von Eigenwertmöglichst frei ist und darum in seiner schiießlichen, freilich noch bei weitem nichterreichten Entwickelung den Wert anderer Gegenstände fast so vollkommen messenwird, wie die Uhr die Zeit und der Zollstock den Raum. Doch bat allerdingsdas reine Geldzeichen immer noch einen absoluten teils durch die Lebhaftigkeitund die Formen des Verkehrs, teils durch die Gesamtmasse der gleichzeitig vor-handenen Zeichen bedingten und demgemäß auf- und abschwankenden Wert.Gesetzt, dass alle Kulturvölker dahin gelangt wären, sich ausschließlich desgleichen materiell wertlosen Geldzeichens zu bedienen, so würde dennoch dessenWert in der lebhaften Verkehrszeit höher stehen, als in der Geschäftsstille undfallen, wenn die Zeichenmasse stärker zunähme, als das Umsatzbedürfnis, oder imumgekehrten Falle steigen. Ein absoluter Wertmesser also ist nicht herzustellen.Glücklicherweise steht dieses ganz unbegreifliche Urteil außer jeder Beziehung zudem Inhalt des klassischen Werkes.