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Das Geld : Darlegung der Grundlehren von dem Gelde, insbesondere der wirtschaftlichen und der rechtsgiltigen Functionen des Geldes, mit einer Erörterung über das Kapital und die Übertragung der Nutzungen / von Karl Knies
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und Vorschrift die erforderliche Qualifikation als Geld erhalten.Darnach würde so lautete die konsequente Behauptung irgendeinRechenpfennig (quaelibet vilis materia) alle Dienste des VaoPfund schweren Silberstückes verrichten können, wenn der Rechen-pfennig als ein solcher Wertgegenstand deklariert und Jedermannvorgeschrieben würde, ihn als solchen Wertgegenstand anzuerkennen.Dass erst durch die staatlichen Maßregeln den Metallstücken derWert, in welchem sie als Geld fungieren, beigelegt werde (valorimpositus,bonitas extrinseca), behaupteten aber auch Andere,welche meinten, dass der Staat wegen sonstiger Gründe Silber- undGoldstücke und nicht andere Dinge zur Prägung von Münzen aus-wählen müsse.

Dass eine so auffällige Irrung Jahrhunderte hindurch auch vonhervorragenden Geistern hat verteidigt werden können, ist nur zueinem Teile aus mangelhafter Einsicht in die Natur des geldwirt-schaftlichen Verkehres zu erklären. Von der Aufrechthaltungdieser Lehre fand man so wichtige Interessen des Staates und derKirche abhängig, dass der Menge der Theologen, Juristen und poli-tischen Gewalthaber nicht sowohl Untersuchung und Entscheidungeiner sachlich schwierigen Streitfrage, als vielmehr Verteidigungeines Besitzstandes erforderlich schien. Es ist heute kein Bedürfnismehr, diese Dinge im Einzelnen darzulegen. In unseren Erörte-rungen über die Währung und das Geld im juristischen Sinnewerden sich die Punkte herausstellen, von denen her die IrrungDerjenigen ausgewuchert ist, welche in gutem Glauben für die Mei-nung in die Schranken getreten sind, dass die Staatsgewalt denWert dem Geldstück verleihe. Hier mögen folgende Bemerkungengenügen.

Es ist eine Art Falle für die zu jener Auffassung disponiertenGoister, dass sie sich in einem Verkehrsleben befinden, in welchemdie nur von wirklichem Gelde zu gewinnenden Vorstellungen durchDienstleistungen wirklichen Geldes bereits eingewöhnt worden sind,während man behauptet, dieses Geld brauche nicht vorhanden zusein. Ein Ausspruch wie der von Berkley (1735):wenn dieNamen Livre, Schilling u. s. w. beibehalten werden, das Metalljedoch wegfällt, so können alle Dinge noch ebensowohl gezählt und