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Das Geld : Darlegung der Grundlehren von dem Gelde, insbesondere der wirtschaftlichen und der rechtsgiltigen Functionen des Geldes, mit einer Erörterung über das Kapital und die Übertragung der Nutzungen / von Karl Knies
Entstehung
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gleichzeitiggegen bare Bezahlung sich vollziehenden Vcrkehrs-geschiifte und die ohne Begleichung verbleibenden liquiden Schuldig-keiten erforderlich machen, während der zur Zahlungsbereitschaftverwendete Kassenvorrat durch die schwebenden Forderungen nor-miert wird. Die Kapitalsammlung durch Schatzbildung steht außer-halb solchen Zusammenhangs. Weil indessen die hierzu verwen-deten Geldmengen, wenn erforderlich, als Kaufmittel und als Zah-lungsmittel fungieren können, so bilden sie ein jederzeit sofortbenützbares Reservoir latenter Kauf- und Zahlungs-Mittel für einennur eventuellen Gebrauch sowie für außerordentlichen und unvor-hergesehenen Bedarf. Sofern ein Wirtschafter das Geld nur alsTauschmittel zur Erleichterung des Umsatzes der von ihm produ-zierten Ware gegen die von ihm zum Verbrauch begehrte gebraucht,fungiert das Geld als jenes Mittelsgut, wie es die Formel W(are)-G(eld)-W(are) darstellt. Diesem Vorgang stellen sich jedoch alsnormale Ergebnisse verständiger Wirtschaftsführung mehrere anderezur Seite. Einmal kann Jemand seine Ware jetzt hingeben, abererst später das Geld empfangen, über dessen Verwendung also zurZeit gar nichts entschieden ist (W-G). Er kann ferner für eineWare früher Geld empfangen, aber dieses für späteren Gebrauch re-serviert haben. Dann wird er in dem herangekommenen Zeitpunktesein Gold entweder für eine Ware hingeben können, die seinen Ge-brauchsbedarf befriedigen soll (G-W), oder er wird es für Ankaufvon Waren verwenden können, die er entweder zur Herstellungneuer Produkte für den Verkehr (Herstellung von Stoffwert durchdieRohproduktion, von Formwert durch die gewerbliche Industrie)oder durch Erzielung von Orts- und Zeit-Wert (Handelsoperationen) 1 )gebrauchen will (G-W-G). Es ergiebt sich hieraus von selbst dieökonomische Bedeutung desKassahaltens und desKassenvor-rates für Kauf, neben derZahlungsbereitschaft, dem Kassen-vorrat für Zahlungsbedarf. Immerhin begründet auch die nichtfür Kauf voraussichtlich gebildete und nicht für vorausberechnetenZahlungsbedarf bestimmte Geldreserve sehr beachtenswerte Er-

') Über Stoffwert, Formwert, Orts- und Zeitwert vergl. meine Ausführungenin der Tübinger Zeitschrift für die ges. Stnatsw. 1855, S. 468 ff.