Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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daß das amtliche Deutsche Weißbuch vom 3. August1914 viel belastender für uns ist, als meine Denkschrift,da es den dolus eventualis zugibt, den ich nicht an-nahm.Unter diesen Umständen mußte Österreich sichsagen, daß es weder mit der Würde noch mit derSelbsterhaltung der Monarchie vereinbar wäre, demTreiben jenseits der Grenze noch länger tatenloszuzusehen. Die k. und k. Regierung benachrichtigte unsvon dieser Auffassung und erbat unsere Ansicht. Ausvollem Herzen konnten wir unserem Bundesgenossenunser Einverständnis mit seiner Einschätzung der Sach-lage geben und ihm versichern, daß eine Aktion,die er für notwendig hielte, um der gegen den Bestandder Monarchie gerichteten Bewegung in Serbien einEnde zu machen, unsere Billigung finden wird. Wirwaren uns hierbei wohl bewußt, daß einetwaiges kriegerisches Vorgehen Öster-reich-Ungarns gegen Serbien Rußlandauf den Plan bringen und uns hiermitunserer Bundespf 1 icht entsprechend ineinen Krieg verwickeln könnte. Wir konn-ten aber in Erkenntnis der vitalen Interessen Öster-reich- Ungarns, die auf dem Spiele standen, unseremBundesgenossen weder zu einer mit seiner Würdenicht zu vereinbarenden Nachgiebigkeit raten, nochauch ihm unseren Beistand in dem schweren Momentversagen."

DieKriegsschuldfrage!

Wer war denn 1870 schuld am Kriege oder 1866oder 1863? Hat Bismarck sich denn etwaüberfallen"lassen? Hat er einen Krieg geführt, den er nicht füh-renwollte? Wer war schuld an den Schlesischen Krie-gen oder am Dreißigjährigen? Wer am Trojanischen?Die schöne Helena? Es gibt nur törichte Kriege, unddie sind ein Verbrechen, und dann Kriege, die einen

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