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1 (1927)
Entstehung
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brücken und eine für beide Teile befriedigende Lösungzu finden, die die Erhaltung des europäischen Friedensgewährleistete, keine britische Regierung wieder wieanno 1870/71 bei einem neuen deutsch- französischenKriege eine für uns wohlwollende Neutralität ein-nehmen würde. Ob Elsaß-Lothringen uns oder denFranzosen gehörte, war den Briten ganz gleich. EinePolitik ä la Boulanger hätten sie daher niemals unter-stützt. Eine neue Niederlage der Fra n zosen und auchder Russen, die ohne britische Mitwirkung voraus-zusehen war, hätte uns aber zum Herrn des Festlandesgemacht, und das konnte Britannia nicht dulden! Esist daher ein Irrtum, zu sagen, die Ablehnung derBündnisanregungen der neunziger Jahre, die ihreSpitze namentlich gegen Rußland richteten, hätte diepolitische Lage des Jahres 1914 verschuldet. Mitoder ohne Bündnis, mit oder ohne Flotte,die nur einen Teil unserer ebenso gewaltigen alssinnlosen Rüstungen bildete, die unsere Nachbarnbeunruhigten und zur Ringbildung veranlaßten, mitoder ohne die unverzeihliche Verletzung derbelgischen Neutralität hätte England kein zweitesSedan zugelassen! Das zeigen auch die kürzlichveröffentlichten Briefe und Tagebuchblätter derKönigin Viktoria aus den siebziger Jahren, alsweder von der Flotte, noch von der belgischenNeutralität die Rede war. Die Königin, beunruhigtdurch die Haltung Bismarcks, dem sie ebenso miß-traute wie auch die Russen, wendet sich natürlichauf Veranlassung ihrer Minister in wiederholtenBriefen an ihre Tochter, an Wilhelm I., ja sogar anAlexander II., um uns zu warnen.

Das mangelhafte Verständnis bei unserer auswär-tigen Leitung für diese wichtige Frage ging schon ausder Meinung hervor, daß unsere Flotte die Engländer

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