Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
63
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zige Aufgabe bestand darin, österreichische Wünschezu unterstützen, während wir hinsichtlich der italie-nischen, mit Rücksicht auf dynastische Sympathien fürGriechenland , weit zurückhaltender waren. Tatsäch-lich war bei dieser Konferenz Österreich die führendeMacht des Dreibundes und nicht wir.

Das Fürstentum Albanien , dessen Lebensunfähig-keit Herr Paul Cambon voraussah, wurde gegenden Wunsch Rußlands und Frankreichs , die eineTeilung Albaniens zwischen Serbien und Griechen-land befürworteten, geschaffen, den Serben derZutritt zur Adria versagt, und Montenegro mit Müheaus Skutari wieder herausgeholt. Bei allen diesenFragen drohte der Weltkrieg zu entbrennen, fallsRußland nicht nachgab. Graf Mensdorff wurde inLondon durch den als Serbenfeind bekannten späte-ren Gesandten in Belgrad, Baron Giesl , unterstütztund gab immer zu verstehen, daß man bereit sei, imWeigerungsfälle zu den Waffen zu greifen, natürlichmit unserer gehorsamsten Unterstützung.

Ich habe damals wiederholt vor einer so weitgehen-den Gefolgschaft gewarnt, die notwendigerweise zurVerschärfung unserer Beziehungen zu Rußland führenmußte, ohne daß irgendein deutsches Interesse unsereantiserbische Stellung berechtigt hätte. Der Kaiserteilte auch zunächst meine Ansicht, daß es besserwäre, Albanien zwischen Serbien und Griechenland zu teilen, das Auswärtige Amt entschied aber wieimmer bedingungslos im Sinne der Wiener Führung.Die Wiener Staatsmänner hatten aber nur ein Zielim Auge: die möglichste Knebelung Serbiens undMontenegros.

In allen diesen Fragen ist Rußland , der natürlicheProtektor Serbiens , unserem Druck gewichen. Ent-scheidend aber war die Haltung Sir E. Greys, welcher,