Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
68
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Tschechen, Polen, Ruthenen, Rumänen, Kroaten undSerben bestehenden Truppen fehlt die ethische Kraft,die dem nationalen Gedanken, für den andere Völkerkämpfen, innewohnt. Beim Zusammenstoß zweier Or-ganismen muß der stärkere, der fester gefügte, demschwächeren überlegen sein. Das lediglich durch dy-nastische Bande vereinigte k. und k. Heer kann dahereinem nationalen Ansturm nicht standhalten. Dieösterreichischen Niederlagen sind nicht bloß auf Kontoder Minderwertigkeit von Führern und Truppen zusetzen, es ist vielmehr das weltgeschichtliche Entwick-lungsgesetz, eine innere Notwendigkeit, die das Zu-rückweichen der schwarzgelben Fremdherrschaft her-beiführt, im Gegensatz zum nationalhomogenen System,das im Lebenswillen des Volkes wurzelt. Wie dasÖsterreichertum aus Italien weichen mußte, trotz mili-tärischer Erfolge, wie es trotz aller Gewaltmaßnah-men Ungarn aufgab und sich unfähig erwies, die Füh-rung in der deutschen Frage beizubehalten, so wirdauch trotz unserer Hilfe das Südslawentum seinereigenen nationalen Entwicklung zusteuern.Die ge-schichtliche Logik ist noch genauer in ihrer Revisionals unsere Oberrechnungskammer, sagt Bismarck indenGedanken und Einnerungen".

Unsere Politik aber erinnert an die des KaisersNikolaus, der, von romantischen Legitimitätsschwär-mereien geleitet, seine Heere zur Unterdrückung desungarischen Aufstandes hergab; dankbar ist ihm Öster-reich dafür bekanntlich nicht gewesen.

Die Formulierung des Ultimatums ließ auch keinenZweifel, daß das Wiener Kabinett nicht die Annahme,sondern die Ablehnung wünschte. Es war darauf be-rechnet, abgelehnt zu werden, und die österreichischeDiplomatie fürchtete geradezu, daß Serbien es anneh-men würde. Baron Giesl befand sich bereits im Reise-