Wilhelm zu den Ihrigen gehört, als daß vor genau100 Jahren seinem erlauchten Urgroßvater die Aus-zeichnung zuteil wurde, hier in Oxford das Ehren-doktorat zu erhalten. Mit seinen beiden Söhnen, demspäteren König Frierich Wilhelm IV. und dem nach-maligen Kaiser Wilhelm I. weilte er hier in Oxford.Gewaltige Ereignisse haben sich in diesen 100 Jahrenvollzogen. Die Machtverhältnisse haben sich seit-her verschoben und die Gruppierungen sind dem-entsprechend andere geworden. Aber das Ziel, das dasbritische und das deutsche Volk damals in sturm-bewegter Zeit nach jahrelangen Kämpfen und heuteinmitten ungetrübter bürgerlicher Entwicklung ver-folgen, ist dasselbe geblieben. Damals wie heutereichten sich unsere Monarchen die Hände zur Be-festigung und zur Erhaltung des Friedens, zumSchutze bürgerlicher Arbeit, damals wie heute war diebritische wie die deutsche Politik darauf gerichtet,ihren Ländern die Segnungen einer ungestörtengeistigen und wirtschaftlichen Entwicklung zu sichern.
Damals lebte noch Goethe; Schiller war vorwenigen Jahren gestorben. Ein Zeitalter geistigen Auf-schwungs und literarischer Blüte war der politischenErhebung und dem gewaltigen Erwachen des deutschen Nationalbewußtseins vorausgegangen. Unsere Dichter-fürsten hatten dazu beigetragen, den Sinn für dieIdeale der Menschheit im deutschen Volke zu wecken,hatten durch ihre unsterblichen Werke den Kultur-wert des Deutschtums unendlich gehoben und dadurchdas stolze Nationalbewußtsein wecken helfen. Nacheiner Zeit nationaler Erschlaffung hatten sie dieGrundlagen gelegt für das gewaltige darauf folgendeErwachen. . . .
Der Nationalbegriff, der eine Zwischenstufe bildetzwischen Individualität und Humanität, beruht im